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BUND Naturschutz bittet Autofahrer um Rücksicht auf Amphibien

Dutzende Freiwillige bringen in den nächsten Wochen im Landkreis mehrere tausend Tiere sicher zu ihren Laichplätzen

Nachdem südlich der Donau die ersten Amphibienschutzzäune durch die Wasserwachten Osterhofen und Plattling bereits aufgebaut wurden, rüstet sich der BUND Naturschutz auch für das Gebiet nördlich der Donau für die alljährliche Wanderung von Fröschen und Kröten zu ihren Laichgewässern. Getragen wird die Aktion von mehreren Dutzend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

„Nachdem es Ende der Woche etwas wärmer werden und regnen soll, ist auch im Bayerischen Wald bald mit den ersten Tieren zu rechnen“, erklärt Georg Kestel, Vorsitzender der Kreisgruppe Deggendorf des BUND Naturschutz. Mit kleiner Besetzung und unter Coronabedingungen haben die Ehrenamtler in den letzten Tagen daher unter anderem Gullideckel in Niederkandelbach gesichert. Außerdem hat die Gruppe erstmals einen Zaun in Stritzling zwischen Schaufling und Lalling aufgebaut. „Für diesen Bereich haben wir in den letzten Jahren immer wieder Hinweise auf überfahrene Tiere bekommen“, erklärt Kestel. Kurzfristig sei es noch möglich gewesen, dafür einen im Landkreis Regen nicht benötigten Zaun mit 200m Länge auszuleihen.

Für Stritzling werden noch Helferinnen und Helfer gesucht!

„Toll war, dass sich bei der Aufstellung am letzten Samstag gleich ein interessierter Anwohner bereit erklärt hat, bei der Kontrolle mitzuhelfen“, freut sich Kestel zusammen mit seinen drei Mitstreiterinnen und Mitstreitern. „Wir möchten aber darum bitten, dass sich vielleicht noch weitere Menschen melden, idealerweise aus dem Ort oder der näheren Umgebung. Die Betreuung des Zauns ist nicht schwierig und nicht besonders aufwändig, zu mehreren kann man sich das dann auch gut aufteilen.“ Wer Interesse an einer Mithilfe hat, kann sich gerne in der BN-Geschäftsstelle (E-Mail: deggendorf@bund-naturschutz.de, Tel. 0991-32555) melden. „Die Saison geht bis etwa Anfang April, mit der Aktion bekommt man dann gleich auch den Frühling intensiv mit“, erläutert Kestel.

An etlichen Orten (s. Karte) im Landkreis müssen die Lurche – meist vor allem Erdkröten – über die Straßen. Ohne Schutzmaßnahmen ist das oft ein tödlicher Weg. „Während der nächsten etwa 4 Wochen bitten wir daher alle Autofahrerinnen und -fahrer um Rücksicht - auf die Tiere, und auch auf die Freiwilligen, die Schutzzäune betreuen und Tiere aufsammeln.“ Auch an nicht mit Zäunen gesicherten Straßenabschnitten, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, bittet der BUND Naturschutz darum, langsam und vorsichtig zu fahren.

Kröten, Frösche, Unken und Molche wandern jedes Jahr aus ihren Winterverstecken zu bestimmten, angestammten Laichgewässern. Dabei bevorzugen sie warme Temperaturen und möglichst nasses Wetter. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung und in den Nachtstunden sind sie dann unterwegs – und bleiben am Abend gern länger auf den Straßen, die sich über den Tag stärker als die Umgebung aufgeheizt haben. An bekannten Übergängen werden daher Schutzzäune, Hinweisschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgebaut, damit die Tiere nicht unter die Räder kommen.

„Wir sagen bei der Gelegenheit wie jedes Jahr ein Dankeschön an das staatliche Straßenbauamt und an den Bauhof des Landkreises für die unkomplizierte Zusammenarbeit. Eine große Hilfe ist in diesem Zusammenhang auch der Naturpark Bayerischer Wald, der sich um die Abwicklung der Förderung kümmert. Vor allem aber bedanken wir uns wieder bei den vielen Helferinnen und Helfern, die sich zum Teil schon seit vielen Jahren ehrenamtlich engagieren“, erklärt Kestel für den BUND Naturschutz.

Neben dem BN betreuen z. B. Mitglieder der Wasserwachten Plattling und Osterhofen um Jürgen Tauer und Rudi Weileder die Zäune im südlichen Landkreis; in Niederkandelbach, wo mit mehr als tausend Tieren wohl die größte betreute Laichpopulation im Landkreis besteht, hat sich sein einigen Jahren eine Gruppe Freiwilliger aus dem Ort zusammengefunden, die abends die Dorfstraßen abgeht und Tiere aufsammelt, da im und um das Dorf ein Zaun kaum sinnvoll aufzustellen ist. In Oblfing engagieren sich die dortigen Wanderfreunde, Zäune stehen außerdem noch in Kleineichberg, bei Seebach und bei Hofstetten. Letzterer wird seit vielen Jahren vom Waldkindergarten Bernried zusammen mit der dortigen BN-Ortsgruppe betreut.

Meist handelt es sich bei den aufgesammelten Tieren um Erdkröten, im Landkreis sind Frösche (hier vor allem Grasfrösche) deutlich seltener. In den einzelnen Bereichen werden in der Regel einige hundert Tiere gerettet. Nach Niederkandelbach dürfte das Altwasser in Aicha an der Donau die zweitgrößte aktiv betreute Population beherbergen. Durch die Dokumentation der Sammelergebnisse lassen sich auch wichtige Daten über die Bestände und Entwicklungstrends gewinnen. „Bitter ist in dem Zusammenhang, dass mit der Klage der Stadt Plattling und weiterer Kommunen gegen das Ersatzfließgewässer Pielweichs nach wie vor auch die Gelegenheit blockiert ist, für den Weiher bei Breitfeld ein Ersatz-Laichgewässer zu schaffen. Zusammen mit der Wasserwacht Plattling müssen wir dort schon seit einigen Jahren zuschauen, wie die Population verschwindet“, erklärt Kestel. In Spitzenjahren wurden bei Breitfeld noch deutlich mehr als 300 Tiere registriert, im letzten Jahr waren es dagegen nur noch wenig mehr als 50.

Die vielen ehrenamtlichen Helfer im Landkreis sind mit ihrem Engagement Teil der größten Artenschutzaktion in Bayern. Rund 6000 freiwillige Helfer bringen im Freistaat jährlich bis zu 700.000 Amphibien sicher zu ihren Laichplätzen.