BN zeigt Film über das „Blaue Herz Europas“

Am 8. Dezember ab 20 Uhr zeigen wir im Rahmen des 27. Internationalen Donaukongresses den Dokumentarfilm "Blue Heart of Europe" über die Naturflüsse auf dem Balkan und deren Bedrohung durch 3.000 geplante Wasserkraftwerke.

Der unvollendete Kalivaç-Staudamm am Vjosa-Fluss nahe der Stadt Tepelëë, Albanien. Im Mai 2017, nach 20 Jahren Bauaufschub, beschloss die albanische Regierung, den Vertrag für das unvollendete Wasserkraftprojekt zu kündigen, um kurz danach die Verfahren für die Neuvergabe der Konzession wieder zu eröffnen. (Bild: Andrew Burr)

Bild: Andrew Burr

Monatelang haben Frauen aus Kruščica, Bosnien und Herzegowina, Tag und Nacht protestiert und eine Brücke besetzt gehalten, um die einzige Trinkwasserquelle ihrer Gemeinde zu schützen. (Bild: Andrew Burr)

Bild: Andrew Burr

03.12.2018

Die Gewinnung von Wasserkraft bedroht die letzten naturnahen Flüsse vor allem in Osteuropa in einem Ausmaß, das sich im Westen kaum jemand vorstellt. Bisher gilt vor allem die Balkanhalbinsel zwischen Slowenien und Albanien als „Blaues Herz Europas“. Die albanische Vjosa etwa ist der längste staudammfreie, frei fließende Fluss in Europa. Insgesamt sind in der Region jedoch aktuell mehr als 3000 Stauwehre geplant. Gefährdet sind 20.000 Kilometer unberührter, sprudelnder Bäche, tobender Nebenflüsse und schnell fließender, verflochtener Ströme. Mit den Stau-Projekten würden Kultur und Umwelt einer zu Unrecht vergessenen, naturnah und nachhaltig lebenden Region untergehen.

Der Dokumentarfilm „Blue Heart“ zeigt die außerordentlichen Flusslandschaften und berichtet über den Kampf um die besonderen Natur-Schätze auf dem Balkan.

Lokale Aktivisten, die an den Ufern dieser Flüsse leben, und europäische Naturschutz-Organisationen wie RiverWatch und EuroNatur kämpfen dabei gegen Regierungskorruption und ausländische Investoren, die in der Region ohne Rücksicht auf die ökologischen und wirtschaftlichen Schäden das schnelle Geld machen wollen. „Blue Heart“ dokumentiert dabei unter anderem den Kampf zum Schutz der albanischen Vjosa, die Bemühungen zum Schutz des gefährdeten Balkanluchses in Mazedonien und berichtet über den monatelangen Kampf der Frauen in Kruščica, Bosnien und Herzegowina, die Tag und Nacht protestieren, um die einzige Trinkwasserquelle ihrer Gemeinde zu schützen.

„Wir zeigen den Film, um die Aktivistinnen und Aktivisten vor Ort zu unterstützen, aber auch, um bewusst zu machen, dass es gerade auch deutsche und österreichische Investoren und Banken sind, die das Geschäft und die Zerstörungen antreiben wollen“, erklärt Georg Kestel, Vorsitzender der Kreisgruppe Deggendorf des BUND Naturschutz.

Der gut 40 Minuten lange Film (Original bzw. englisch mit deutschen Untertiteln) wurde von dem Outdoor-Ausrüster Patagonia in Kooperation mit NGOs vom Balkan und aus ganz Europa initiiert und finanziert. Regie führte Britton Caillouette (Farm League), die Musik schrieb Andrew Bird. Der Film ist Teil der Kampagne „Save the Blue Heart of Europe“, mit der vor allem auch Druck auf ausländische Entwickler und Banken ausgeübt werden soll, die die Staudammprojekte finanzieren.

Der Film ist am 8. Dezember ab 20 Uhr in Niederalteich in der Landvolkshochschule (Hengersberger Straße 10) als Abendveranstaltung zum 27. Internationalen Donaukongress zu sehen. „Wir laden natürlich auch herzlich zum Kongress tagsüber ein, auf dem wir uns mit dem Hochwasserschutz und dem Ausbau der Wasserstraße an der Donau, Wasserkraftprojekten an der Salzach, dem Bodenschutz und der europäischen Gewässerpolitik beschäftigen wollen“, ergänzt Kestel. Der Eintritt zum Film wie zum gesamten Donaukongress ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Weitere Hintergründe zum Film:

Blue Heart wurde am 28. April 2018 erstmals weltweit präsentiert. Die Weltpremiere fand am Idbar-Staudamm in Bosnien und Herzegowina statt, hieran schlossen sich Vorführungen auf der gesamten Balkanhalbinsel und in größeren Städten auf der ganzen Welt an.

Über Patagonia:

Das Outdoor-Unternehmen Patagonia wurde 1973 von Yvon Chouinard gegründet und hat seinen Sitz im kalifornischen Ventura. Das Unternehmen engagiert sich auch international im Umweltschutz und hat bis dato mehr als 90 Millionen Dollar an Geld- und Sachspenden geleistet.

Ryan Gellert fest, General Manager von Patagonia zum Film: „Bei der Flut geplanter Staudämme und Wasserumleitungen auf dem Balkan stehen wir vor einer drohenden irreversiblen Umweltzerstörung, während viel zu viele Leute in Europa und auf der ganzen Welt nicht wissen, was da gerade passiert. Mit diesem Film möchten wir die internationale Gemeinschaft aufrütteln und sie auf den Kampf der Leute vor Ort für den Schutz der letzten frei fließenden Flüsse aufmerksam machen. Und wir wollen der Öffentlichkeit erklären, warum die Energiegewinnung mit Staudämmen eine veraltete und vor allem umweltschädliche Technologie ist.“

Yvon Chouinard, Patagonia Inc. Gründer: „Wir müssen diese einmalige Naturlandschaft schützen, davon bin ich überzeugt. Sie zu zerstören, vor allem für eine überholte und ausbeuterische Technologie ist nicht nur eine Geldverschwendung, sondern vor allem eine moralische Schande.“

Über den Regisseur

Britton Caillouette macht schon seit mehr als zehn Jahre Filme in der Natur, unter freiem Himmel. Er studierte Geschichte und hatte schon immer ein scharfes Auge für die Fotografie. Er liebt herausfordernde Produktionsumgebungen. Seine Geschichten bereichert er mit seiner einzigartigen Art des visuellen Storytellings und seinem menschlichen Einfühlungsvermögen. Noch während seiner Studienzeit an der Stanford University führte Britton Regie bei seinem ersten Dokumentarfilm in vom Krieg zerrütteten Westafrika. Sowohl für seine Filme als auch für seine Werbung wurde er mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit einem Cannes Lion.