BUND Naturschutz bittet Autofahrer um Rücksicht auf Amphibien und „Krötenretter“

Dutzende Freiwillige bringen in den nächsten Wochen mehrere tausend Tiere sicher zu ihren Laichplätzen – Klimawandel verschiebt Saison zwei Wochen nach vorne.

25.02.2020

Die Erderwärmung wirbelt das Wetter durcheinander – und auch die sonstigen Abläufe in der Natur. „Südlich der Donau wurden bereits die ersten Kröten beobachtet – das ist mehr als zwei Wochen früher als sonst“, erklärt Georg Kestel, Vorsitzender des BUND Naturschutz Deggendorf. „Wir haben daher zusammen mit unseren Partnern kurzfristig auch den Beginn der Schutzaktionen nach vorn verlegt. Während der nächsten etwa 4 bis 6 Wochen bitten wir alle Autofahrer um Rücksicht - auf die Tiere, und auch auf die Freiwilligen, die Schutzzäune betreuen und Tiere aufsammeln.“ Auch an nicht mit Zäunen gesicherten Straßenabschnitten, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, bittet der BUND Naturschutz darum, langsam und vorsichtig zu fahren.

Kröten, Frösche, Unken und Molche wandern jedes Jahr aus ihren Winterverstecken zu bestimmten, angestammten Laichgewässern. Dabei bevorzugen sie warme Temperaturen und möglichst nasses Wetter. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung und in den Nachtstunden sind sie dann unterwegs. Wo ihr Weg über viel befahrene Straßen führt, werden an bekannten Stellen Schutzzäune, Hinweisschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgebaut, damit die Tiere nicht unter die Räder kommen.

„Wir sagen bei der Gelegenheit ein großes Dankeschön an das Straßenbauamt und an den Bauhof des Landkreises für ihr Engagement und die schnelle und unkomplizierte Reaktion in diesem Jahr. Dankbar sind wir auch dem Naturpark Bayerischer Wald für die Abwicklung der Förderung. Vor allem aber bedanken wir uns wieder bei den vielen Helferinnen und Helfern, die sich zum Teil schon seit vielen Jahren ehrenamtlich engagieren“, erklärt Kestel weiter.

Neben dem BN betreuen z. B. Mitglieder der Wasserwachten Plattling und Osterhofen um Jürgen Tauer und Rudi Weileder die Zäune im südlichen Landkreis; in Niederkandelbach, wo mit mehr als tausend Tieren wohl die größte betreute Laichpopulation im Landkreis besteht, hat sich sein einigen Jahren eine Gruppe Freiwilliger zusammengefunden, die abends die Dorfstraßen abgeht und Tiere aufsammelt, da im und um das Dorf ein Zaun kaum sinnvoll aufzustellen ist. In Oblfing engagieren sich die dortigen Wanderfreunde, Zäune stehen außerdem noch in Kleineichberg, bei Seebach und bei Hofstetten. Letzterer wird seit vielen Jahren vom Waldkindergarten Bernried zusammen mit der dortigen BN-Ortsgruppe betreut.

Meist handelt es sich bei den aufgesammelten Tieren um Erdkröten und Grasfrösche. In den einzelnen Bereichen werden in der Regel einige hundert Tiere gerettet. Nach Niederkandelbach dürfte das Altwasser in Aicha an der Donau die zweitgrößte aktiv betreute Population beherbergen. Durch die Dokumentation der Sammelergebnisse lassen sich auch wichtige Daten über die Bestände und Entwicklungstrends gewinnen. „Nachteilig ist in dem Zusammenhang, dass mit der Klage der Stadt Plattling und weiterer Kommunen gegen das Ersatzfließgewässer Pielweichs auch die Gelegenheit blockiert ist, für den Weiher bei Breitfeld ein Ersatz-Laichgewässer zu schaffen. Zusammen mit der Wasserwacht Plattling müssen wir dort schon seit einigen Jahren zuschauen, wie die Population verschwindet“, fürchtet Kestel. In Spitzenjahren wurden bei Breitfeld noch deutlich mehr als 300 Tiere registriert, im letzten Jahr waren es dagegen nur noch 36.

Die vielen ehrenamtlichen Helfer im Landkreis sind mit ihrem Engagement Teil der größten Artenschutzaktion in Bayern. Rund 6000 freiwillige Helfer bringen jährlich bis zu 700.000 Amphibien sicher zu ihren Laichplätzen.