Die Gierseilfähre Mariaposching - Stephansposching braucht keinen überdimensionierten Motorantrieb

Die am 19. April 2016 als Folge eines Beladungs- und Fahrfehlers gesunkene Gierseilfähre zwischen Maria- und Stephansposching soll durch eine neue Fähre ersetzt werden. Unter anderem aufgrund der Forderungen von mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürgern haben die Kreistage von Straubing-Bogen und Deggendorf beschlossen, eine Seilfähre neu beschaffen.

Landrat Bernreiter will ein ende der "Nostalgie" und eine Motorfähre

Nach Presseberichten von Ende Februar 2017 ist für diese Seilfähre jedoch angeblich ein "Hilfsantrieb" mit 160 kW Leistung nötig; dies wäre nötig, um in allen Lagen die Fähre betreiben zu können. Eine Ursache soll unter anderem sein, dass aufgrund des Umbaus einer Buhne oberhalb der Fähranlegestelle keine ausreichende Strömung mehr bestehen würde. Außerdem müsste zusätzlich und praktisch immer ein Motor mit 15 kW zum Seilverstellen und für die Hydraulik von Klappen und Schranken laufen.

Mit dem angeblich nötigen "Hilfsantrieb" mit der genannten Leistung könnte die Fähre jedoch auch gleich ohne Seilanlage fahren - die teure Seilanlage wäre daher unnötig. Landrat Bernreiter fordert daher, auf die "Nostalgie", wie sie viele Bürger wieder haben wollten, keine Rücksicht zu nehmen und gleich eine Motor- statt einer Seilfähre in Auftrag zu geben (siehe z.B. Deggendorfer Zeitung vom 28.02.2017).

Aber: Die Strömungsverhältnisse werden nicht zwingend schlechter als jetzt - in Teilen sogar besser

Allerdings stellt sich doch die deutliche Frage, warum die Fähre überhaupt einen Hilfsmotor braucht - schließlich war es auch bisher problemlos möglich, nur mit der Energie des strömenden Flusses zwischen den Fähranlegestellen zu verkehren. Warum soll das mit einer neuen Fähre (die auch keine größere Tragkraft als bisher haben wird) nicht mehr möglich sein?

Richtig ist, dass die Buhnen oberhalb der Fähranlegestelle Mariaposching verlängert werden sollen; damit kann es grundsätzlich zu Änderungen der Strömungsverhältnisse kommen. Allerdings: auch bisher schon lag der Mariaposchinger Anleger im Strömungsschatten einer (wenn auch kürzeren) Buhne. Der Anleger konnte dennoch immer erreicht werden.

Und: die künftigen Buhnen werden nicht nur länger, sondern auch niedriger. Die Oberkante liegt künftig auf Höhe Niedrigwasser (RNW) + 0,5m. Das ist etwa einen halben Meter tiefer als bei den bestehenden Buhnen (mit einer Oberkante etwa auf Höhe Mittelwasser). Das bedeutet: schon deutlich früher und häufiger als jetzt wird die neue Buhne flächig überströmt. Für die häufigen Abflusszustände ab der Mitte zwischen Niedrig- und Mittelwasser werden sich die Strömungsverhältnisse daher sogar verbessern.

Außerdem ist in Zukunft für die Buhnen u.a. der Einbau von weiteren Absenkungen und einer "Kerbe" bis zu einem Meter unter Niedrigwasser (RNW) vorgesehen. Damit kann die Strömung an der Anlegestelle sogar gezielt verbessert werden.

Auf der Stephansposchinger Seite sind keine Änderungen geplant - hier werden die Strömungsverhältnisse weitgehend gleich bleiben.

Aktueller Planausschnitt technische Planung Donauausbau, Bereich Mariaposching (Okt. 2016)

Regelplan Buhne (2014); Beschreibung der Planänderung Kerbentiefe (Okt. 2016, s. Seite 21).

Ein "Hilfsmotor" mit 150 kW ist hoffnungslos überdimensioniert

Es ist nicht zu erklären, warum die Planer der Fähre einen "Hilfsantrieb" von 160 kW verpassen wollen. Zum Vergleich: die Donaufähre in Sandbach (für Personen und KFZ incl. LKW) kann als Seilfähre betrieben werden - und das, obwohl sie aufgrund der Lage im oberen Ende des Stausees von Kachlet sehr viel schlechtere Strömungsverhältnisse hat als die Donau bei Mariaposching. In den Fällen, in denen eine Motorunterstützung notwendig ist, z.B. bei besonders ungünstigen Wasserständen, reicht für die Sandbacher Fähre ein Außenbordmotor von etwa 4,5 kW (6 PS).

Noch ein Vergleich macht die Überdimensionierung des jetzt geplanten Antriebs deutlich: Es gab im Jahr 2015 (neueste verfügbare Zahlen) an den Bundeswasserstraßen 146 Fähren, die Personen und KFZ transportieren können ("Wagenfähren"); davon waren gut ein Drittel (51) seil- oder  kettengebundene Fähren. Diese 51 Fähren haben im Schnitt eine Tragfähigkeit von 20 t und zusammen eine Motorisierung von 802 kW; die durchschnittliche Motorisierung beträgt damit 15,7 kW - ein Zehntel dessen, was jetzt der Fähre Mariaposching-Stephansposching verpasst werden soll. Die 15 kW entsprechen der Motorleistung, die bei uns angeblich allein schon für Schranken, Klappen u.ä. benötigt werden.

Es gibt für Fähren keine Vorschrift für einen obligatorischen zweiten (Motor-)Antrieb

Eine Vorschrift für einen zweiten Antrieb oder einen "Hilfsmotor" gibt es nicht. Einschlägig ist hier die "Verordnung über die Schiffssicherheit in der Binnenschifffahrt (Binnenschiffsuntersuchungsordnung - BinSchUO)".

Danach ist für Binnenschiffe nach § 15.07 der Ordnung zwar grundsätzlich ein zweites unabhängiges Antriebssystem erforderlich. Dies gilt jedoch explizit nicht für "seil- und kettengebundene Fähren" (Anhang X zur BinSchUO, § 1.02, 4. f; S. 1061).

Für die sonstigen Antriebe für Klappen und Schranken und das Seilumspannen können schließlich, wenn diese nicht ohnehin manuell betätigt werden, Elektroantriebe mit entsprechenden Akkus eingesetzt werden.

Wir erwarten von der Politik die Beauftragung einer Seilfähre - und nicht die Beschaffung einer Motorfähre durch die Hintertür

Wer hat die Planung einer gewaltig überdimensionierten Motorleistungen veranlasst? Soll die Fähre wider alle Notwendigkeit zu einer "Express-Fähre" aufgerüstet werden? Sollen die Baukosten künstlich nach oben getrieben werden? Oder will irgendjemand die Beschlüsse der Kreistage und das Votum von mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürgern durch die Hintertür und auf dem Wege über einen grob überdimensionierten "Hilfsantrieb" torpedieren und so die Forderung nach einer Seilfähre "obsolet" und "sinnlos" erscheinen lassen?

Statt der Planung und Anschaffung einer teuren Motorfähre mit "Hilfsseil" (für die jetzt der Verzicht auf die Seilanlage "aus Kostengründen" verlangt wird), fordern wir - zusammen mit mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürgern - dass einfach nur eine echte Seilfähre ohne teuren und unnötig überdimensionierten Hilfs-Firlefanz geplant wird.

Sollten tatsächlich in seltenen Fällen, bei besonders niedriger Wasserführung, Schwierigkeiten beim Ab- und Anlegen auftreten (was lediglich auf der Mariaposchinger Seite zu erwarten ist), könnte in diesen Fällen zur Unterstützung auch ein entsprechender normaler und handelsüblicher Außenbordmotor eingesetzt werden. 150 kW Motorleistung waren jedenfalls bisher nicht notwendig, und werden auch künftig nicht notwendig sein.

Zur Erinnerung: Mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürger fordern mit einer Unterschriftenliste Seilfähre

Nach der Havarie der Gierseilfähre am 19. April 2016 als Folge eines Beladungs- und Fahrfehlers wurde über die Wiederherstellung des Fährbetriebes zwischen Mariaposching und Stephansposching diskutiert. Schon in diesem Zusammenhang tauchte u.a. von Seiten des Deggendorfer Landrats Bernreiter der Vorschlag auf, die Seilfähre durch eine Motorfähre zu ersetzen.

Für den Erhalts bzw. eine Neubeschaffung einer Gierseilfähre haben sich mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift ausgesprochen. Darunter war der weit überwiegende Teil der Anwohner in Mariaposching und Stephansposching (die damalige Unterschriftenliste können Sie hier einsehen).

Für die Gierseilfähre spricht die hohe Zuverlässigkeit und die auf lange Sicht deutlich bessere Wirtschaftlichkeit. Über die jahrzehntelange Betriebszeit ist eine Seilfähre deutlich günstiger und zuverlässiger als eine Motorfähre, wie auch der Vergleich zur Motorfähre zwischen Niederalteich und Thundorf zeigt.

Außerdem ist die Fahrt mit der Gierseilfähre um Welten schöner als die Fahrt mit einer Motorfähre - und nicht zuletzt fährt die Gierseilfähre mit der Energie des strömenden Wassers, ohne Lärm, und ohne klima- und umweltschädliche fossile Treibstoffe.

Übrigens: Auch Müllverbrennungsanlagen wurden von unseren Landräten schon mal für "alternativlos" gehalten

Interessante Parallelen zu den Planungen für die Fähre sind in der Geschichte der Müllentsorgung in unserer Region zu finden: 1986 hat der Abfallzweckverband Donau-Wald - u.a. mit den damaligen Landräten der beteiligten Landkreise im Aufsichtsrat - vehement die Meinung vertreten, dass keine Alternative zum Bau einer Müllverbrennungsanlage in Plattling bestünde; Basis waren - wie heute bei der Fähre - Aussagen von Planern und Gutachtern. Später, nach dem Scheitern der MVA-Pläne, wiederholte sich dieses Spiel mit der Planung von "Schwelbrennverfahren" und einer "Thermoselect-Anlage" sowie einer gleichfalls angeblich unvermeidbaren "Umschichtung" der Deponie Außernzell.

Tatsächlich verdanken wir unsere heutigen, konkurrenzlos niedrigen Müllgebühren dem Umstand, dass die genannten Planungen durch engagierte Bürgern verhindert wurden. Es ist das Verdienst u.a. der Bürgerinitiative "Ärzte gegen Müllverbrennung" gegen die MVA Plattling, der Bürgeraktion "Außernzell und Umgebung muss lebenswert bleiben", des "Besseren Müllkonzepts" und auch des BUND Naturschutz, dass die damals geplanten, von der verantwortlichen Politik jeweils zumeist kritiklos vertretene und teure Unsinn nicht realisiert wurde. Neben günstigen Entsorgungsgebühren haben wir heute damit weder Müllverbrennungs-Überkapazitäten noch unwägbare Gesundheitsgefährdungen aus einer "Müll-Umschichtung" zu tragen.