Neue Ideen für eine Gierseilfähre zwischen Mariaposching - Stephansposching?

Die am 19. April 2016 als Folge eines Beladungs- und Fahrfehlers gesunkene Gierseilfähre zwischen Maria- und Stephansposching soll durch eine neue Fähre ersetzt werden. Unter anderem aufgrund der Forderungen von mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürgern haben die Kreistage von Straubing-Bogen und Deggendorf zunächst beschlossen, eine Seilfähre neu beschaffen.

Kreistag Straubing beschließt nun doch Beschaffung einer Motorfähre

Nach vertieften Planungen beugte sich der Kreistag Straubing-Bogen "der Macht der Fakten": Danach hätten die Untersuchungen gezeigt, dass eine Seilfähre für mögliche Widrigkeiten wie Niedrigwasser und Ostwind in jedem Fall starke Hilfsantriebe brauchen würde; mit diesen Antrieben könnte die Fähre auch gleich als Motorfähre betrieben werden. Entsprechend wurde die Anschaffung einer Motorfähre und der Verzicht auf die mit Kosten von etwa 400.000 € geschätzte Seilanlage beschlossen.

Mit dieser Entscheidung schien die Diskussion eigentlich zunächst beendet, auch wenn etliche Kreisräte quasi nur mit "Zähneknirschen" zustimmen mochten.

In Reaktion auf Fernsehbericht melden sich Firmen mit innovativen Ideen

Auch das BR-Magazin "quer" berichtete über die Entscheidung - und dabei kam zum Schluss auch noch kurz der Deggendorfer Vorsitzende des BUND Naturschutz, Georg Kestel zu Wort.

Beim BUND Naturschutz Deggendorf haben sich auf den Filmbeitrag und unabhängig voneinander der Chef des oberbayerischen Seilbau-Spezialisten NTT und der Kelheimer Schifffahrtsunternehmer Schweiger gemeldet. Die wunderten sich nicht nur darüber, dass die einfache, bewährte und kostengünstige Gierseil-Technologie so ohne weiteres aufgegeben werden soll; die Anrufer zeigten sich auch etwas erstaunt, dass über Planungsideen, die bereits seit Mitte 2016 auf dem Tisch liegen, offensichtlich nie öffentlich geredet wurde.

Querstrahlruder als Hilfsantrieb

Im Mai 2016 hat die Ritzdorf-Werft aus Remagen zusammen mit dem Maschinenbaumeister Müller aus dem Spessart einen Konstruktionsentwurf für eine Ersatz-Gierseilfähre an den Landkreis Straubing übergeben. Im damals angebotenen "Richtpreis" von netto 375.000 Euro waren unter anderem auch die nötigen Leck- und Stabilitätsberechnungen für die Zulassung, die Sicherheitsausrüstung und der Antransport enthalten. Außerdem sollte ein Querstrahlruder mit 10 kW Leistung als Hilfsantrieb eingebaut werden, um auch bei schlechteren Bedingungen fahren zu können. Diese Fähre ist wie die zuletzt vorgestellte Motorfähre für eine Traglast von 20 Tonnen ausgelegt - und erfüllt damit auch die Bedingungen für die "schwimmende Kreisstraße". Die Seilfähre könnte also ebenfalls gefördert werden.

Die Werft ging zunächst davon aus, dass für ihre Konstruktion die bestehende Seilanlage weiter genutzt werden kann. Aber selbst wenn tatsächlich die zuletzt diskutierte neue Seilanlage nötig würde, wäre das Gesamtpaket aus Fähre und neuer Seilanlage für 400.000 Euro immer noch um eine Viertelmillion günstiger, als die unlängst beschlossene Motorfähre ohne Seilanlage.

Neue Ideen für die Seilanlage

Bei der Frage, ob und wie die Seilanlage ersetzt werden muss, kommt die zweite Firma ins Spiel, die sich beim BUND Naturschutz Deggendorf gemeldet hat. Die Firma NTT hat mit der Donaufähre in Matting und mit einem weiteren Projekt am Inn vor nur wenigen Jahren schon einmal ähnliche Diskussionen wie im Bereich Mariaposching geführt: nämlich wie eine Gierseilfähre trotz schwacher Strömung und bei ungünstigen Windverhältnissen weiter betrieben werden kann. Besonders interessant waren hierbei Hinweise auf die Möglichkeiten und Chancen einer Seilvorspannung und des Einsatzes neuer synthetischer Seilmaterialien. Diese können in Bezug auf das Eigengewicht und die Dimensionierung erheblich günstiger sein.

Außerdem wurde vom Chef der Firma, Herrn Neuhaus, die Möglichkeit ins Spiel gebracht, den Betrieb der Fähre wie bei einer Seilbahn mit einem Zugseil am Laufwagen zu unterstützen. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: der Wirkungsgrad dieses Antriebs ist erheblich höher als bei einem Propeller im Wasser, und der Hilfsantrieb könnte als Elektromotor stationär an Land aufgebaut werden. Eine weitere Idee war, die Fähre als Katamaran zu bauen. Das bedeutet zwar etwas mehr Tiefgang, damit ließe sich aber die Strömung zweifach und damit deutlich besser auszunutzen.

Chancen auf Realisierung im Rahmen der Ausschreibung?

Zwischenzeitlich wird die Ausschreibung für die Motorfähre vorbereitet. Landrat Laumer hat zugesichert, dass hierbei auch Alternativangebote abgegeben werden können.

Damit könnte es doch noch einen Wettbewerb innovativer Ideen und auch entsprechende Angebote auch für eine günstigere Gierseilfähre geben.

 

Auch die Strömungsverhältnisse können für die Fähre noch verbessert werden

Im Zuge des Ausbaus der Wasserstraße sollen die Buhnen oberhalb der Fähranlegestelle Mariaposching verlängert werden. Damit kann es grundsätzlich zu Änderungen der Strömungsverhältnisse kommen. Allerdings: auch bisher schon lag der Mariaposchinger Anleger im Strömungsschatten einer (wenn auch kürzeren) Buhne. Der Anleger konnte dennoch immer erreicht werden.

Und: die künftigen Buhnen werden nicht nur länger, sondern auch niedriger. Die Oberkante liegt künftig auf Höhe Niedrigwasser (RNW) + 0,5m. Das ist etwa einen halben Meter tiefer als bei den bestehenden Buhnen (mit einer Oberkante etwa auf Höhe Mittelwasser). Das bedeutet: schon deutlich früher und häufiger als jetzt wird die neue Buhne flächig überströmt. Für die häufigen Abflusszustände ab der Mitte zwischen Niedrig- und Mittelwasser werden sich die Strömungsverhältnisse daher sogar verbessern.

Außerdem ist in Zukunft für die Buhnen u.a. der Einbau von weiteren Absenkungen und einer "Kerbe" bis zu einem Meter unter Niedrigwasser (RNW) vorgesehen. Damit kann die Strömung an der Anlegestelle sogar gezielt verbessert werden.

Auf der Stephansposchinger Seite sind keine Änderungen geplant - hier werden die Strömungsverhältnisse auch weitgehend gleich bleiben.

Aktueller Planausschnitt technische Planung Donauausbau, Bereich Mariaposching (Okt. 2016)

Regelplan Buhne (2014); Beschreibung der Planänderung Kerbentiefe (Okt. 2016, s. Seite 21).

Die geplanten "Hilfsmotoren" mit 160 kW sind um Dimensionen größer als jede vergleichbare Motorisierung

Es ist trotz aller angeführten Argumente nicht ganz zu erklären, warum die Planer der Fähre einen "Hilfsantrieb" von 160 kW verpassen wollen. Im Vergleich kann z.B. die Donaufähre in Sandbach (für Personen und KFZ incl. LKW) als Seilfähre betrieben werden - und das, obwohl sie aufgrund der Lage im oberen Ende des Stausees von Kachlet sehr viel schlechtere Strömungsverhältnisse hat als die Donau bei Mariaposching. In den Fällen, in denen eine Motorunterstützung notwendig ist, z.B. bei besonders ungünstigen Wasserständen, reicht für die Sandbacher Fähre ein Außenbordmotor von etwa 4,5 kW (6 PS).

Noch ein Vergleich macht die Überdimensionierung des jetzt geplanten Antriebs deutlich: Es gab im Jahr 2015 (neueste verfügbare Zahlen) an den Bundeswasserstraßen 146 Fähren, die Personen und KFZ transportieren können ("Wagenfähren"); davon waren gut ein Drittel (51) seil- oder  kettengebundene Fähren. Diese 51 Fähren haben im Schnitt eine Tragfähigkeit von 20 t und zusammen eine Motorisierung von 802 kW; die durchschnittliche Motorisierung beträgt damit 15,7 kW - ein Zehntel dessen, was jetzt der Fähre Mariaposching-Stephansposching verpasst werden soll. Die 15 kW entsprechen der Motorleistung, die bei uns angeblich allein schon für Schranken, Klappen u.ä. benötigt werden.

Es gibt für Fähren keine Vorschrift für einen obligatorischen zweiten (Motor-)Antrieb

Eine Vorschrift für einen zweiten Antrieb oder einen "Hilfsmotor" gibt es nicht. Einschlägig ist hier die "Verordnung über die Schiffssicherheit in der Binnenschifffahrt (Binnenschiffsuntersuchungsordnung - BinSchUO)".

Danach ist für Binnenschiffe nach § 15.07 der Ordnung zwar grundsätzlich ein zweites unabhängiges Antriebssystem erforderlich. Dies gilt jedoch explizit nicht für "seil- und kettengebundene Fähren" (Anhang X zur BinSchUO, § 1.02, 4. f; S. 1061).

Für die sonstigen Antriebe für Klappen und Schranken und das Seilumspannen können schließlich, wenn diese nicht ohnehin manuell betätigt werden, Elektroantriebe mit entsprechenden Akkus eingesetzt werden.

Mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürger forderten mit ihrer  Unterschrift eine Seilfähre

Nach der Havarie der Gierseilfähre am 19. April 2016 als Folge eines Beladungs- und Fahrfehlers wurde über die Wiederherstellung des Fährbetriebes zwischen Mariaposching und Stephansposching diskutiert. Schon in diesem Zusammenhang tauchte u.a. von Seiten des Deggendorfer Landrats Bernreiter der Vorschlag auf, die Seilfähre durch eine Motorfähre zu ersetzen.

Für den Erhalts bzw. eine Neubeschaffung einer Gierseilfähre haben sich mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift ausgesprochen. Darunter war der weit überwiegende Teil der Anwohner in Mariaposching und Stephansposching (die damalige Unterschriftenliste können Sie hier einsehen).

Für die Gierseilfähre spricht die hohe Zuverlässigkeit und die auf lange Sicht deutlich bessere Wirtschaftlichkeit. Über die jahrzehntelange Betriebszeit ist eine Seilfähre deutlich günstiger und zuverlässiger als eine Motorfähre, wie auch der Vergleich zur Motorfähre zwischen Niederalteich und Thundorf zeigt.

Außerdem ist die Fahrt mit der Gierseilfähre um Welten schöner als die Fahrt mit einer Motorfähre - und nicht zuletzt fährt die Gierseilfähre mit der Energie des strömenden Wassers, ohne Lärm, und ohne klima- und umweltschädliche fossile Treibstoffe.