Filmpremiere in Deggendorf: "MATERIA PRIMA - New Energy. Old Powers?" mit Jens Schanze
Unser Lebensstil hat zur Folge, dass wir weltweit Energieträger und Rohstoffe einkaufen. Auch die Umstellung auf erneuerbare Energien macht dabei keine Ausnahme. Lithium ist ein weltweit begehrter Rohstoff für Akkus.
Wir laden ein zur Premiere des neuen Films von Jens Schanze, am 29. Oktober (ab 20 Uhr) in Deggendorf im Kino.
Die Filmpremiere führt in eine besondere Welt: In der Hauptsache geht es um die Menschen am Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt. Er liegt in Bolivien, das heute eines der ärmsten Länder der Welt ist - und das, obwohl dort ab dem 16. Jahrhundert das größte Silbervorkommen auf dem damals bekannten Globus ausgebeutet wurde, allerdings nicht von den indigenen Einwohnern, sondern von den Spaniern als Kolonisatoren.
In den Salzseen der Anden befinden sich die weltweit größten, vergleichsweise leicht gewinnbaren Lithiumvorkommen. Für den Rohstoff interessieren sich daher heute große Konzerne und Industrienationen. Die Bolivianer dagegen wollen das Lithium diesmal nutzen, um die Armut zu überwinden.
Unsere kapitalistische Lebensweise, die ständiges Wachstum und damit einen ständig zunehmenden Durchsatz von Rohstoffen und Energie erfordert, greift daher nach Bolivien und in alle Regionen der Erde. Das ist schon per se nicht nachhaltig. Mindestens muss man sich der Frage stellen, wie Gewinne und Lasten wenigstens gerecht verteilt werden können.
Das Problem besteht natürlich genauso bzw. auf lange Sicht sogar noch mehr bei der Gewinnung von Kohle, Gas, Öl und Uran. Schon der Kohleabbau Garzweiler zeigt, wie die Schaufelradbagger großflächig Landschaften fressen. Dass auch durch fossile Brennstoffe indigene Kulturen zerstört werden, ist zum Beispiel in ‚La buena Vida‘ zu sehen, einem früheren Film von Jens Schanze.
Ein Schwerpunkt im neuen Film des Autors ist, wie sich vor allem die indigene Bevölkerung organisiert – der Film ist daher keine nur deprimierende Dokumentation. Abgesehen vom Kampf um das Lithium ist der Salar de Uyuni auch eine unglaublich beeindruckende Landschaft. Auch das zeigt der Film, genauso wie den zerlöcherten Berg von Potosí, aus dem hunderttausende Tonnen an Silber und anderen Mineralien geholt wurden. Wer sich einerseits in die Anden entführen lassen möchte, sich andererseits aber den unvermeidlichen Fragen zur eigenen Lebensweise, zur Entwicklung anderer Länder und zur Entwicklung unseres Planeten nicht verschließt, sollte sich diesen Film anschauen.
Mit seiner multiperspektivischen Erzählweise und seinem überwiegend beobachtenden, poetischen Stil bietet der Film einen seltenen Einblick in die strategischen Verhandlungen der Europäer und beleuchtet die unterschiedlichen Haltungen eines Bauern, einer Lamahirtin, einer Minenwächterin, einer Anwältin, eines Bergarbeiters und einer politischen Aktivistin in Bezug auf die geplante Industrialisierung Boliviens durch ausländische Unternehmen. Voice-over-Zitate aus der Chronik von Guamán Poma de Ayala, einem indigenen Zeitzeugen des 16. Jahrhunderts, eröffnen einen Blick aus der Perspektive der damaligen Bevölkerung.
Aus der Verbindung von Stimmen der Vergangenheit mit Szenen des 21. Jahrhunderts entsteht die Frage: Sind wir bereit zur Dekolonialisierung?
Der Film tourt aktuell durch Kinos in Deutschland. In Deggendorf ist „MATERIA PRIMA“ am Donnerstag, den 29. Oktober um 20 Uhr zu sehen. Prof. Jens Schanze wird bei der Vorführung dabei sein und steht im Anschluss an den Film für Fragen und Diskussion zur Verfügung.
Hier kommen Sie direkt zum Ticket-Kauf (externer Link, Lichtspielhaus Deggendorf).







