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Welterbe Donau er-fahren: 4. Metten - Niederalteich

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30. Donaukongress - Online

Hochwasser- und Bodenschutz in der Fläche: Klimaanpassung naturnah und dezentral

Die Hochwasserkatastrophen in Deutschland und anderswo in diesem Jahr haben erneut die Dringlichkeit von Schutz, Vorsorge und Anpassung an den Klimawandel deutlich gemacht. Dabei rückt nicht nur die Erderwärmung als Treiber hinter der Verschärfung der Regen- und Hochwasserereignisse in den Fokus; in den Blick genommen werden muss auch, auf welche Weise Hochwasser in der Landschaft entsteht oder sich verschärft.

Maßgeblich ist dabei das Gesamtsystem: die Fläche und der Boden, auf die Regen trifft, die Landschaft mit Feuchtgebieten, Mooren, Rückhalte-Strukturen, Gräben und kleinen Bächen; und zuletzt mittlere und große Flüsse und Auen, an denen sich, je nach Zustand, Hochwasserwellen gefahrlos ausbreiten oder lebensbedrohlich konzentrieren können.

Der 30. Donaukongress nahm vor allem die Funktion der Böden und der Landschaft in den Blick. Thema sollten außerdem die positiven Nebeneffekte sein, die sich zugleich z. B. für den Klimaschutz, in der Dürreprävention oder in der Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung erreichen lassen.

Die Präsentationen zu den Vorträgen, wie sie beim 30. Donaukongress gehalten wurden, können Sie mit einem Klick in die entsprechenden Bilder rechts als pdf-Dateien öffnen und nachlesen.

Vorträge und Diskussion am 27. November

Den ersten Vortrag nach der Begrüßung ab 10:30 Uhr durch den BN-Landesvorsitzenden Richard Mergner hielt Prof. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BN und des BUND. Ausgehend von einem Rückblick auf seine Erfahrungen mit der Hochwasserschutz-Politik in den letzten Jahrzehnten fasste er die - im wesentlichen gleich gebliebenden - Forderungen des BUND Naturschutz bzw. des BUND zusammen (s. Präsentation, rechts). Weiger betonte, dass die Menschheit "dabei ist, die Grenzen des Planeten zu sprengen", d. h. den Planeten Erde mehr in Anspruch zu nehmen, als dieser aushalten könne. Während kurz nach Hochwasserkatastrophen von der Politik zugesagt werde, den vorbeugenden Hochwasserschutz zu verbessern, würde dies kurz danach nicht mehr eingehalten oder gar aktiv torpediert, wie das am Beispiel der oberen Bayerischen Donau bei Pförring zu sehen sei. Früher wie heute sei mehr Denken in Zusammenhängen notwendig, und mehr Gewicht und Vertrauen in dezentrale statt in zentrale Lösungen und Maßnahmen.

Anschließend vermittelte Georg Kestel, Landschaftsökologe und -planer und seit etwa 20 Jahren für den BN-Landesverband in die Verfahren zum Donauausbau und zum Hochwasserschutz involviert, einen Überblick über diese "zentralen" und "dezentralen" Ansätze im Hochwasserschutz in Bayern. Dies beinhaltete sowohl einen Blick auf die Flutpolder-Planungen, wie auch die möglichen Maßnahmen in der Fläche. Deutlich wurde, dass zwar durchaus etliche Projekte durchgeführt werden, die z. B. die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens und den Rückhalt in der Landschaft verbessern; diese Maßnahmen würden jedoch nicht gezielt zum Hochwasserschutz durchgeführt (sondern z. B. als Naturschutzprojekte); vor allem bestünde eine enorme Diskrepanz zwischen der Planung und Untersuchung von zentralen Maßnahmen wie den vorgesehenen Flutpoldern an der Donau und der Untersuchung von dezentralen Ansätzen. Die Flutpolder würden den Eindruck einer "End-of-Pipe"-Technologie machen - in der faktischen Umsetzung vor allem würden diese vorangetrieben, während die Verbesserungen in der Fläche, also das Anpacken der Probleme "an der Wurzel" vernachlässigt würde.

Der Vortrag von Prof. Auerswald lieferte selbst den "Profis" unter den Zuhörerinnen und Zuhörern etliche Aha-Effekte. Ausgehend von Bildern zum Hochwasser in Simbach von 2016 und Luftbildern zur Dürre auf landwirtschaftlichen Flächen aus dem Jahr 2018 zeigte er anschaulich, dass die Böden und die Landschaft auf vielfältige Weise zur Effizienzsteigerung verändert wurden, damit aber vor allem weniger "Puffer" hätten, und schon gegenüber relativ kleinen Klimaänderungen keine ausreichende Widerstandsfähigkeit (Resilienz) mehr bestehe. Beispiele war der Bau von Wirtschaftswegen (mit Seitenentwässerung) in früheren Grünmulden, die enorme Verdichtung auch des Unterbodens und das Anschneiden von Bodenschichten, in denen sich im Wald Zwischenabflüsse bewegen, was Trockenschäden im Wald befördere. Mit etlichen Eingriffen würden zudem Prozesse in Gang gesetzt, die die Wirkung des Klimawandels noch weiter verstärken. Gegenmaßnahmen seien Bodenbedeckung und Verbesserung der Infiltration, Windbremsen in der Landschaft wie Hecken und das Bremsen der Abflüsse (Prof. Karl Auerswald ist zusammen mit Peter Seibert Verfasser eines Buches zur „Hochwasserminderung im ländlichen Raum“).

Sandra Corbeck ist beim Amt für ländliche Entwicklung zentral für die Initiative boden:ständig zuständig; sie zeigte im ersten Teil die Entstehung und die Arbeitsweise der Initiative. Der zweite Teil führte anschaulich vor Augen, wie in aktuell bereits über 100 Projekten in Bayern in der Praxis, in Zusammenarbeit aller Akteure oft bereits mit wenig aufwändigen Maßnahmen mehr Wasser in der Landschaft gehalten werden kann. Dies reicht von der Umstellung der Bewirtschaftung (zu Formen z. B. der Mulchsaat mit möglichst durchgängiger Bodenbedeckung) bis hin zur Anlage von flachen Mulden, in denen Wasser gebremst fließt oder sogar zur flächigen Versickerung auf felder geleitet wird. In vielen Fällen entwickeln die Projekte sogar eine positive Eigendynamik.

Zuletzt präsentierte Karin Eigenthaler aus Neustadt/Aisch, dort BN-Vorsitzende und Mit-Initiatorin, die Maßnahmen, die im dortigen "Talauenprojekt Scheinfeld", ebenfalls in einem breiten Bündnis aus verschiendenen Akteuren und mit Unterstützung der Gemeinden und der ländlichen Entwicklung umgesetzt wurden, um Hochwasserschäden in mehreren Orten an Laimbach, Scheine, Bibart, Ehe zu vermeiden. Auslöser waren Hochwasser 1995 und 1999 mit Überflutungen in Scheinfeld; auf Initiative des BUND Naturschutz wurden in der Folge die geplanten technischen Maßnahmen um die beschriebenen Maßnahmen in der Landschaft ergänzt. Auch hier entwickelte sich eine positive Eigendynamik, die Anwohner identifizieren sich in hohem Maße mit den jeweiligen Projekten zum Rückhalt von Wasser. Das ‚Talauenprojekt‘ im Steigerwald ist eines der Pionierprojekte in diesem Bereich.


Die am 28.11. geplante politische Podiumsdiskussion wird verschoben

Die am Sonntag geplante Podiumsdiskussion wird auf das Jahr 2022 (voraussichtlich Frühjahr / Frühsommer) verschoben.

Wir denken, dass die Qualität einer lebendigen Diskussion im Rahmen einer Videokonferenz nur sehr eingeschränkt entstehen kann. Wir hoffen, dass sich die Lage bis zum nächsten Frühjahr soweit verbessert, dass dann auch wieder Diskussionen mit Publikum ohne größere Einschränkungen durchgeführt werden können.