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Welterbe Donau er-fahren: 4. Metten - Niederalteich

2. Fahrraddemo im Landkreis Deggendorf: Mit dem Rad zur Arbeit

Am 15. Oktober 2022 schwangen sich erneut im ganzen Landkreis Menschen aufs Rad, um in Plattling kräftig für die Mobilitätswende zu demonstrieren. U. a. in Metten, Osterhofen und Seebach ließen sich fast 40 Radfahrerinnen und -fahrer auch vom Dauerregen bis zum Mittag nicht aufhalten. Bereits auf dem Weg zum Treffpunkt der eigentlichen Demofahrt mussten die Radler jedoch eine enorme Zahl von Gefahrenpunkten und Lücken entlang der Routen dokumentieren.

Radwege im Landkreis sind Flickwerk

So analysiert Rolf Sihr, ÖDP-Vorsitzender im Landkreis, die Lage: „Wir konnten heute erneut erleben, dass das Radwegenetz bei uns ein Flickwerk ist. Radwege enden auf einmal, insbesondere bei der Einfahrt in Gemeinden, und machen gefährliche Fahrbahnquerungen erforderlich. Viele Wege sind in schlechtem Zustand. Es fehlen Markierungen oder Warnschilder für den Kraftfahrzeugverkehr gerade an unübersichtlichen Stellen. Und selbst bei Neubauten wie der Plattlinger Umgehung wird noch immer auf Radwege verzichtet. Auch an eine Geschwindigkeitsbeschränkung für die Sicherheit der Radfahrer wurde hier nicht gedacht, genauso wenig wie man sich Gedanken um einen sicheren Anschluss z.B. an den Radweg nach Moos gemacht hat. Hier muss man gefährlich nach links abbiegen, obwohl auch eine Ableitung auf der rechten Seite möglich gewesen wäre. Dies nur als eines von vielen Beispielen auch an mangelhafter Planung.“

Die Aktionsgruppe Klimaentscheid will die ausfindig gemachten Schwachstellen weiter sammeln, online zugänglich machen und an den Landkreis und die Gemeinden weitergeben.

Abschlusskundgebung in Plattling

Die letzten zwei Kilometer fuhr die für die Wetterverhältnisse beachtliche Gruppe von ca. 40 RadlerInnen als Fahrrad-Demo gemeinsam zum Plattlinger Ludwigsplatz zur Abschlusskundgebung. Hier sprachen neben Rolf Sihr noch Maren Lex (Kreisrätin der Grünen), Georg Kestel vom BUND Naturschutz und Kurt Bayer für den Verkehrsclub Deutschland (VCD). Zugleich konnte die Aktionsgruppe weitere Unterschriften für den Klimaentscheid Deggendorf und das Volksbegehren Radentscheid Bayern sammeln. Die in diesem Jahr gestartete Initiative für bessere Radwege in Bayern (für mehr Infos: radentscheid-bayern.de) macht deutlich, dass der Landkreis Deggendorf leider kein Einzelfall ist. „Bayern ist im Radverkehr hintendran, obwohl die bayerische Staatsregierung 2017 versprochen hat, den Anteil des Radverkehrs bis 2025 auf 20 % verdoppeln zu wollen“, erklärt Georg Kestel für die Aktionsgruppe Klimaentscheid dazu.

Das Rad ist ein ideales Verkehrsmittel – dafür müssen die Radwege jedoch sicherer werden

Für Maren Lex, Grünen-Vorstand im Landkreis Deggendorf, ist das Fahrrad in allen seine Formen für kurze und mittlere Entfernungen DIE schnelle, gesunde und umweltfreundliche Mobilität. „Das Rad kann uns zur Arbeit bringen, zur Schule, zur Uni. Im Sommer und im Winter. Es ist nicht nur für kurze und mittlere Entfernungen DIE schnelle, gesunde und umweltfreundliche Mobilität, jeder Kilometer auf dem Rad reduziert auch Lärm und Abgase und erhöht damit die Lebensqualität. Doch dafür muss man sich zuerst einmal auf die Straße wagen. Deshalb beinhaltet der Radentscheid Bayern die „Vision Zero“: Das Ziel lautet, keine im Straßenverkehr getöteten Radfahrerinnen mehr! Der Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen, insbesondere auch von Kindern und Senior*innen, muss oberste Priorität haben – z. B. durch Tempobeschränkungen und eine klar vom Kfz-Verkehr getrennte Fuß- und Radwegführung.“

Sonstige Infrastruktur ausbauen, Verknüpfung mit dem ÖPNV verbessern

Kurt Bayer vom Verkehrsclub Deutschland ging auf den notwendigen Ausbau nicht nur der Fahrradwege selbst ein: “Es braucht nicht nur sichere Radwege, sondern auch passende Infrastruktur vor Ort in Schulen, Betrieben und Behörden: Überdachte und sichere Fahrradstellplätze in ausreichender Anzahl, Umkleiden, Duschen, Trockenraum für Kleidung. Sowie man an Parkplätze für Autos denkt, sollte man eigentlich auch an die Bedürfnisse von Fahrradfahrern denken. Genauso sollte man das Fahrrad als Bus- und Bahnzubringer endlich mehr fördern, aktuell ist das sehr problematisch, da häufig keine sicheren Stellplätze an Bahnhof existieren und viel zu wenig Platz für die Fahrradmitnahme in Zügen vorhanden ist.“

Ausbau des Fahrradwegenetzes tut Not – und ist durch Stopp von teuren Straßenbauprojekten finanzierbar

Georg Kestel vom BUND Naturschutz Deggendorf nahm in seiner Rede Bezug auf den Klimawandel in Deggendorf, aber auch auf lokale Verkehrsprobleme. „Ein Ausgangspunkt für die Organisation der Sternfahrt und der Fahrraddemo waren die Überlegungen zum Bau einer weiteren Brücke für den Autoverkehr über die Donau in der Stadt Deggendorf.“ Die beste Lösung für Stauprobleme in Fischerdorf sei aber nicht eine neue Brücke, sondern zum Einen großräumig die Einsparung von unnötigem LKW-Verkehr auf der Autobahn und die Verlagerung auf die Bahn. Zum anderen müssten auch vor Ort, für den lokalen Verkehr, endlich die Alternativen zum Auto ausgebaut werden. „Jeder sollte problemlos, zeitsparend und günstig entweder mit dem Rad oder mit Bus und Bahn zum Arbeitsplatz, an die Hochschule, zur Ausbildung oder in die Schule kommen.“

Für die Finanzierung dieser Maßnahmen sah Kestel in seinem Redebeitrag auch bei angespannten öffentlichen Haushalten keine echten Probleme: „Wenn man den ‚mittleren zweistelligen Millionenbetrag‘, der für die Deggendorfer Brücke genannt wurde, in Fahrrad und ÖPNV investiert, ist der Effekt auf den Verkehr erheblich größer als im weitestgehend ausgebauten Straßennetz. Und für die überregionale Verkehrswende kann man unter anderem die 300 Millionen Euro einsetzen, die allein für den Autobahnausbau Deggendorf-Hengersberg, mit vorzeitigem Ersatz der noch auf Jahrzehnte verkehrstüchtigen Donaubrücke, geschätzt wurden. In die Verkehrswende und den Klimaschutz im Verkehrssektor muss jetzt endlich Bewegung kommen, nachdem die früheren Bundesverkehrsminister Dobrindt und Scheuer von der CSU in diesem Bereich als echte Totalversager in die Geschichte eingehen werden.“

Ein Blatt mit den Details zur Fahrrad-Sternfahrt und zur Demo (Strecken, Abfahrtszeiten, Abfahrtsorte) finden Sie zum Download unter diesem Link.

Bilder zur 2. Fahrraddemo

Mängel und Gefahrstellen an den Radwegen aus der Fahrrad-Sternfahrt (Auswahl)