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Geplante Ortsumfahrung Auerbach kostet viel, verbraucht Fläche und Natur und wird keine richtige Entlastung bringen

Kritische Stellungnahme des BUND Naturschutz Deggendorf im Planfeststellungsverfahren

"Für 36,6 Millionen Euro geschätzte Kosten muss für Auerbach mehr Entlastung herauskommen“, fasst Georg Kestel die Stellungnahme der Kreisgruppe Deggendorf des BUND Naturschutz zur Ortsumfahrung Auerbach zusammen. „So wie es aussieht, könnten zwar Anwohner im südlichen Ort entlastet werden. Die in geradezu unmöglicher Form geplante Anschlussstelle auf der Nordseite aber wird dem dortigen Ortsteil Kaltenbrunn und dem nordöstlichen Ortsrand neue intensive Belastungen bringen.“ Der Verband hat zu dem Vorhaben in einem Schreiben an die Regierung von Niederbayern im laufenden Planfeststellungsverfahren Stellung genommen.

Die Unterlagen zu dem Planfeststellungsverfahren finden Sie hier.

Die Ortsumfahrung Auerbach reiht sich für den BN in die Riege von Straßenbauprojekten ein, die bei enormen Kosten kaum noch zusätzlichen verkehrlichen Nutzen erzeugen. „Als Vorteil für die Nutzer der B533 ergeben sich durch die 1,4 km lange Baumaßnahme vielleicht ein paar Sekunden Zeitersparnis. Dabei kostet jedoch jeder Meter der Ortsumfahrung mehr als 26.000 Euro – zu schon heute veralteten Preisen. Eine solche Nutzen-Kosten-Relation ist einfach nicht mehr sinnvoll“, meint Kestel. Ein viel größerer und erheblich sinnvollerer volkswirtschaftlicher Nutzen ließe sich dagegen erzielen, wenn mit diesem Geld zum Beispiel endlich die digitale Infrastruktur ausgebaut würde oder die Investitionen und Planungskapazitäten wenigstens in die dringend notwendige Verkehrswende fließen würden. „Nach dem bahnbrechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz muss endlich auch Verkehrsminister Scheuer mit seinem Ministerium und seinen Bauämtern hier von Ankündigen zu Taten kommen“, fordert der Vorsitzende der Deggendorfer BN-Kreisgruppe.

Verkehr einsparen statt neue Straßen bauen

Außerdem habe die Pandemie gezeigt, dass sehr viel mehr Möglichkeiten zur Einsparung von Verkehr zur Verfügung stünden, als bisher in Betracht gezogen wurde: „Selbst wenn nach Corona nicht alles bleibt wie aktuell, wird die Möglichkeit von Home-Office und von Videokonferenzen erheblich Verkehr einsparen. Auch die Bedeutung von regionalen und lokalen Lieferketten ist eindrücklich sichtbar geworden – es macht einfach keinen Sinn mehr, Waren während der Erzeugung dreimal durch Europa zu fahren. Insofern stimmen die Prognosen, die der Planung zugrunde gelegt wurden, heute sowieso schon nicht mehr“, meint Kestel. Zur Einordnung der in den Planunterlagen enthaltenen Angaben zur Verkehrsbelastung erklärt der BN-Vertreter, dass selbst der prognostizierte Verkehr durch den Ort zum Teil weit unter der Belastung mancher städtischer Straße in Deggendorf liege. „Die Hans-Krämer-Straße, die Graflinger Straße und die Mietrachinger Straße bewältigen zum Teil erheblich größere Verkehrslasten als die B533 in Auerbach“.

36,6 Mio Euro sinnvoller verwenden

Die Überarbeitung der Verkehrsprognosen fordert der Verband daher ebenso wie die Prüfung weiterer Alternativen. „Aus unserer Sicht muss auch geprüft werden, ob nicht durch die Ablösung und den Ersatz einzelner betroffener Wohnhäuser entlang der Bundesstraße das Ziel, eine Entlastung der Anwohner zu erreichen, wesentlich günstiger erreicht werden kann. Theoretisch stehen dafür die 36,6 Millionen Euro zur Verfügung, die für die aufwändige Baumaßnahme an Kosten geschätzt wurden. Die Gebäude müssen dabei ja nicht verloren sein, entlang der Straße sind ja grundsätzlich auch passende Nutzungen z. B. gewerblicher Art oder die Einrichtung von örtlichen Büros für Home-Office möglich. Und nicht zuletzt muss auch für die beantragte Trasse mindestens ein Anwesen abgesiedelt werden.“

Die Planung würde zudem mit einem bis zu 8,5 Meter hohen Damm und einer Brücke über die Hengersberger Ohe vor Auerbach enorme Eingriffe in das Landschaftsbild und den Naturhaushalt verursachen. Hier sieht der Verband auch noch ernste, unzureichend behandelte artenschutzrechtliche Probleme.

Völlig überzogene Planung des Anschlusses nordwestlich von Auerbach

Nur Kopfschütteln haben die Naturschützer aber schließlich für die Ausgestaltung des nordöstlichen Anschlusses übrig. „Das wird Los Angeles vor Auerbach“, meint Kestel. „Zum Teil führen hier 4 Fahrspuren parallel, es sollen Straßendämme bis zu 7 Meter hoch aufgeschüttet werden, der Mapferdinger Bach muss verlegt werden, der Flächen- und Naturverbrauch ist maximal, und an den Zufahrten und dem geplanten Kreisel werden die Fahrgeräusche durch Anfahren, Schalten und Bremsen wesentlich mehr und lästiger werden als in der aktuellen Situation. Mit dem Fahrrad möchte man durch diesen Bereich nicht fahren müssen, erst recht nicht mit Kindern. An der völlig überzogene Planung dieses Anschlusses sieht man, dass Verkehrspolitik in Bayern immer noch vollständig auf Asphaltflächen fixiert ist und Themen wie die Verkehrswende, bedarfsgerechter, ressourcen- und flächenschonender Ausbau und Klimaschutz noch nicht angekommen sind.“ Während für marginale Verbesserungen im Straßenverkehr Millionen ausgegeben würden, käme der ÖPNV und z. B. ein durchgeplantes, sinnvoll abgestimmtes Radwegesystem im Landkreis kaum voran, auch weil die Planungskapazitäten der Bauämter nach wie vor völlig falsch gepolt arbeiten würden.