Vorbereitungen zur Erfassung der Wildkatze im Landkreis Deggendorf laufen an

Möglicherweise bereits bei uns zu Hause: die Wildkatze (Bild: Thomas Stephan)

Wildkatzen sind sympathische, aber recht scheue Bewohner unserer naturnahen Wälder. Im Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald sind Vorkommen bekannt - wir wissen aber nicht, ob die Katze auch bei uns im Landkreis zu Hause ist.

Zusammen mit vielen Freiwilligen und Aktiven hat der BUND Naturschutz in den letzten Jahren in ganz Bayern Erfassungen nach der sogenannten "Lockstock-Methode" durchführen können. Dabei werden Holzpflöcke mit Baldrianlösung eingesprüht und an geeigneten Stellen im Wald ausgesteckt. Die Stöcke werden dann über mehrere Wochen auf Haare kontrolliert, die die Katzen verlieren, wenn sie sich an einem der Stöcke reiben. Über die genetische Untersuchung der Haare kann die Art eindeutig bestimmt und z.B. von Hauskatzen unterschieden werden. Auf diese Weise konnten an zum Teil sehr überraschenden Orten in Bayern Wildkatzen nachgewiesen werden.

Hier finden Sie Bilder zu dieser Erfassungsmethode und weitere Informationen zur Wildkatze

Nachsuche nach der Wildkatze im Landkreis im Februar bis März 2017

Der Landkreis Deggendorf ist bisher noch nicht untersucht. Von besonderem Interesse ist hier die Frage, ob die Wildkatze mittlerweile die Ausbreitung aus dem Inneren Bayerischen Wald bis zu uns geschafft hat.

Von den Organisatoren der Studie zur Erfassung von Wildkatzen sind wir daher im letzten Jahr kurzfristig angefragt worden, ob wir für unseren Landkreis für das zeitige Frühjahr 2017 eine entsprechende Nachsuche organisieren könnten. Unsere Bitte um Mithilfe per Brief und in der Presse fand eine überwältigende Resonanz: über 40 Freiwillige haben sich gemeldet, die bei der Nachsuche mithelfen wollen. Dafür ganz herzlichen Dank!

Mögliche Erfassungsbereiche im Landkreis Deggendorf; detailliertere Karten sind auf der Seite ganz unten zu finden.

Wie Erfolgt die Nachsuche?

Die Lockstöcke werden an günstigen Standorten im Wald nach bestimmten Regeln verteilt. Unter anderem sind Rasterquadrate mit 10x10 km vorgegeben, in denen jeweils 10 Stöcke angeordnet werden sollen. Diese sollen untereinander 1km Entfernung aufweisen; auch soll z.B. zu Siedlungen ein Abstand von 200 m eingehalten werden (um die Frequentierung durch Hauskatzen zu verringern). Die Standorte können jedoch in der Regel so festgelegt werden, dass sie gut erreichbar sind und die Kontrolle gut bewältigt werden kann. Vor der Aufstellung der Stöcke kontaktieren wir noch die Eigentümer.

Die Stöcke werden im Zeitraum von etwa Mitte bis Ende Februar bis Ende März / Anfang April 2017 einmal wöchentlich kontrolliert. Die Zahl der jeweils zu kontrollierenden Stöcke lässt sich dabei je nach der zur Verfügung stehenden Zeit individuell festlegen. In der Regel sind 2 - 4 Stück gut zu betreuen. Alle Helfer erhalten eine detaillierte Einführung und Hilfestellung; außerdem werden "Springer" zur Verfügung stehen, die z.B. bei Urlaub oder sonstiger Verhinderung Kontrollen übernehmen können.

Was sind attraktive Standorte für die Wildkatze (und damit für die Lockstöcke)?

Grundsätzlich gilt, dass vor allem strukturreiche, größere Laub- und Laubmischwälder von der Wildkatze genutzt werden (selten reine Fichtenwälder); hier sollten vor allem auch ausreichende und attraktive Jagdbereiche (z.B. innere und äußere Waldränder, Offenland wie Lichtungen, angrenzende vielfältige Kulturlandschaft u.ä.) vorhanden sein; außerdem auch z.B. Felsen, Altbäume u.ä. mit Höhlen als Schlafplätze und für die Jungenaufzucht. Auch Bachläufe u.ä. sind günstig.

Hochlagen sind wegen der langen Schneebedeckung dagegen weniger geeignet. Allerdings sind Ausnahmen z.B. bei früh schneefrei werdenden Südhängen u.ä. möglich und aus dem Umfeld des Nationalparks Bay. Wald auch bekannt.

Wie geht es im Landkreis mit der Erfassung weiter?

Aus den Rückmeldungen haben wir eine Übersichtskarte (s.o.) sowie für die einzelnen, aussichtsreichen Rasterfelder Einzelkarten (s.u.) erstellt. Aktuell versuchen wir für die Rasterfelder geeignete Stock-Standorte zu finden.

Hierzu eine Bitte: falls Sie Waldflächen kennen, die als Lebensraum für die Wildkatze geeignet sein könnten - teilen Sie uns dies bitte mit! Am besten digital: Nutzen Sie dazu z.B. die Möglichkeit im "Bayernatlas", mögliche Standorte als Flächen oder Punkte zu digitalisieren (im Menü links oben unter "Werkzeuge"; rechts oben finden Sie ein Feld zum Umschalten zwischen verschiedenen Kartentypen). Die digitalisierten Flächen oder Punkte bitte abspeichern (als .kml oder .gpx-Datei) und mit einer kurzen Notiz per E-Mail an deggendorf@bund-naturschutz.de schicken.

Bitte melden Sie sich auch (am besten ebenfalls per E-Mail und unter Angabe Ihres bevorzugten Gebietes), wenn Sie sich an der Nachsuche beteiligen wollen. Vor allem für das östlichste Rasterfeld (Bereich Iggensbach - Schöllnach) sind weitere Mithelfer noch sehr erwünscht.

Bitte geben Sie diese Informationen auch an Bekannte und Freunde weiter, die sich für diese Aktion interessieren könnten.

Für alle Interessenten veranstalten wir zusammen mit den Projektleitern für die Wildkatzenerfassung in Bayern am 27.01.2017 ab 18 Uhr im Landgasthof Zwickl (Inh. F.X. Biebl) in Deggendof-Seebach eine detaillierte Einweisung und Schulung. Dabei wird auch das benötigte Material ausgegeben.

Mögliche Erfassungsbereiche im Landkreis Deggendorf (10km - Rasterquadrate)