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Igel im Herbst: Hungrig unterwegs

Igel müssen sich im Herbst Fettreserven für den Winter anfressen. Die BN-Kreisgruppe Deggendorf gibt Tipps, wie man hilfsbedürftige Igel erkennt und ihnen richtig helfen kann.

06.10.2026

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt für Igel eine entscheidende Zeit. Sie müssen Fettreserven aufbauen und ein geeignetes Winterquartier finden. Besonders spät geborene oder noch kleine Jungigel haben dafür weniger Zeit. Auch die Folgen des diesjährigen heißen und vielerorts trockenen Sommers können sich bemerkbar machen: Wo Böden stark ausgetrocknet sind, kann das Angebot an Insekten, Würmern und anderen Nahrungstieren gering sein. Für Igel wird es dann schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden. So kann es manchen Jungigeln schwerfallen, noch ausreichend Gewicht für den bevorstehenden Winterschlaf aufzubauen. Doch wann brauchen Igel tatsächlich Hilfe?

„Wer im Herbst einen Igel entdeckt, sollte nicht vorschnell eingreifen. Viel wichtiger ist es, genau hinzuschauen“, sagt Hubert Lohmaier vom BUND Naturschutz in Deggendorf. „Einen gesunden und munteren Igel sollte man grundsätzlich in Ruhe lassen. Es gibt aber klare Anzeichen dafür, dass ein Igel Hilfe braucht.“

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Wenn ein Igel bei Tageslicht unterwegs ist, gilt das deshalb als Warnsignal und das Tier sollte genauer beobachtet werden. Entscheidend ist jedoch der Gesamteindruck: Wirkt der Igel gesund und munter, bewegt er sich sicher und zielgerichtet, ist nicht auffallend mager und wird nicht von Fliegen umschwirrt, besteht zunächst kein Grund, ihn in Obhut zu nehmen. Das gilt für Jungtiere ebenso wie für erwachsene Tiere. Klare Warnzeichen sind dagegen Schwäche, Apathie, Verletzungen, eingefallene Flanken oder starker Parasitenbefall. „Solche Tiere brauchen schnell fachkundige Hilfe“, so Lohmaier. „Das Tier am besten mit Handschuhen vorsichtig in einen Karton setzen, warm halten und eine igelerfahrene Pflegestelle oder Tierarztpraxis kontaktieren.“ Im Landkreis Deggendorf widmet sich ein eigener Verein dem Schutz von Igeln – er bietet unter www.igelrettung-deggendorf.de weitere Tipps und Hilfe bei schwierigeren Fällen.

Wer gesunde Igel im Herbst unterstützen möchte, kann ihnen geeignetes Futter anbieten. Am besten ist hochwertiges Katzen-Nassfutter mit hohem Fleischanteil. Ergänzend können beispielsweise gegartes Ei, gekochtes Geflügel oder angebratenes, ungewürztes Hackfleisch sowie getrocknete Mehlwürmer und Soldatenfliegenlarven angeboten werden. Milch, Brot, Obst, Gemüse, Nüsse und gewürzte Speisen gehören dagegen nicht auf den Speiseplan von Igeln. Auch minderwertige Futtermischungen mit einem hohen Anteil pflanzlicher Bestandteile sind ungeeignet.

Das Futter sollte an einen geschützten Ort gestellt werden, um den Zugang für andere Tiere zu erschweren. Geeignet ist beispielsweise eine Futterkiste mit einem Ein- und Ausgang von 10 - 13 cm Durchmesser. Frisches Wasser sollte immer zur Verfügung stehen.

„Füttern ersetzt keinen naturnahen Lebensraum“, fasst Hubert Lohmaier zusammen. „Wer im Garten Platz für Wildnis lässt, tut den Igeln einen größeren Gefallen.“

Was Gartenbesitzer jetzt tun können:

  • Laub- und Reisighaufen anlegen und bis zum Frühjahr möglichst nicht mehr umsetzen.
  • Hecken, Gebüsch, Totholz und wilde Ecken erhalten.
  • Zäune durchlässig gestalten oder kleine Durchgänge schaffen.
  • Auf Laubsauger, Laubbläser und Pflanzenschutzmittel verzichten.
  • Mähroboter nicht in der Dämmerung oder nachts einsetzen.
  • Vor dem Mähen, Freischneiden oder Umschichten vorsichtig kontrollieren, ob sich dort ein Igel befindet.
  • Fertige Igelhäuser aufstellen.

Eine Anleitung zum Bau eines Igelhauses finden Sie hier.