Jahreshauptversammlung 2026 der BUND Naturschutz-Ortsgruppe Bernried-Metten-Offenberg
Natur und Artenvielfalt im Fokus

Die diesjährige Jahreshauptversammlung der BUND-Naturschutz-Ortsgruppe Bernried-Metten-Offenberg im BUND-Naturschutz fand Ende September bei Biobauer Willi Mittermeier statt. In einer bilderreichen Präsentation breitete die Ortsvorsitzende Brigitte Reinhardt in ihrem Rückblick die Aktivitäten des vergangenen Jahres 2025 aus: noch im Herbst 2025 fand eine Exkursion ins Naturschutzgebiet Runstwiesen, Neuhausen statt, mit Franz Schöllhorn, Gebietsbetreuer Isarmünd, und Hermann Waas vom Wasserwirtschaftsamt. Das Thema Grundwassermanagement und die naturnahe Pflege des Grabensystems hat uns in diesem extrem heißen Sommer gezeigt wie wichtig es ist, das Wasser in der Fläche zu halten. Ein hydrologisches Gutachten hat ergeben, dass dies mit einfachen Maßnahmen möglich ist.
Der erste Stammtisch des Jahres 2026 informierte über umweltfreundliches Mähen bei der Grünpflege von Straßenrändern und Privatgärten. Heimische Blühpflanzen bieten Nahrung und Lebensraum für Igel, Vögel, Insekten und viele andere Kleintiere. Andrea Rinke, Projektkoordinatorin Blühender Naturpark erläuterte viele interessante Möglichkeiten die Artenvielfalt zu stärken und zu erhöhen.
Zum Vortrag „Die dunkle Seite des Lichts“ mit Margit Seifert, Teammitglied bei Paten der Nacht“, fanden viele Interessierte den Weg in den Mettener Pfarrsaal. Lichtverschmutzung ist eine ernste Bedrohung für unser Ökosystem und gilt als Mitverursacher für das massive Insektensterben, das wir derzeit erleben. Eindrücklich legte die Referentin dar, wie mit einfachen Mitteln bestehende Beleuchtung „Nacht-schonend“ umgerüstet werden kann, damit Vögel, Fledermäuse, Insekten, Bäume und Mensch davon profitieren.
An der Betreuung des Krötenzauns in Hofstetten beteiligte sich wieder der Waldkindergarten Pusteblume. Leider muss erneut ein starker Rückgang der Kröten verzeichnet werden.
Eine besonders eindrucksvolle und informative Veranstaltung war der Besuch des Rainer Waldes. Dieses LBV-Schutzgebiet mit seltenen Waldgesellschaften und artenreichen Totholzbereichen bietet mehr als 400 Tierarten Rückzugsmöglichkeiten. Der Referent Dr. Christian Stierstorfer legte den Schwerpunkt auf Totholz und Spechte. „Es ist beeindruckend, wie schnell die Natur die vormals eintönigen Fichtenbestände zu vielfältigem Wald umbaut“, bemerkte Brigitte Reinhardt.
Unter dem Titel „Biodiversität der Wiesenbrüter“ war eine Exkursion zu Kiebitz und Co. im Naturschutzgebiet Runstwiesen und Totenmoos angekündigt, dem Lebensraum der Wiesenbrüter. Leider zeigten sich in diesem Frühjahr dort keine Wiesenbrüter. Referent Dr. Robert Dörr schlug vor, nach Breitenhausen zu fahren. Hier konnten zur Freude der Interessierten einige Brachvögel und Kiebitze gesehen werden.
Eine Exkursion im Mai mit dem Referenten Walter Hanschitz, führte auf den Himmelberg zu Nistbäumen für Höhlenbrüter. Die dort vorhandenen zahlreichen Biotopbäume bieten Nistplatz und Nahrungsquelle für viele verschiedene Vogelarten. In den absterbenden Bäumen entsteht neues Leben: Insektenlarven, Pilze, Mikroben zersetzen das Holz und sind Nahrung für viele Tiere.
Sehr starkes Interesse gab es für den Kurs „Sensen, Dengeln und Wetzen“ mit Georg Zellner, er war im Nu ausgebucht.
Im Rahmen der BN-Initiative „Krautschau“ wurden Un-Kräuter zwischen Pflasterritzen gesucht. Auf der Entdeckungstour rund ums Rathaus Neuhausen und das Schulgelände konnten 19 verschiedene Kräuter gefunden und bestimmt werden. Diese Umweltbildungsaktion möchte für den Wert sogenannter „Unkräuter“ sensibilisieren, die manche als störend empfinden. Sie sind jedoch wichtige Nahrungsquellen für Insekten – und ein bedeutender Bestandteil der biologischen Vielfalt.

Die diesjährige Mehrtagesexkursion führte in den südlichen Bereichs des „Grünen Bandes“ zum Dreiländereck Deutschland, Tschechien, Österreich. Diese Region im Inneren Bayerischen Wald zeigt wertvolle Relikte einer traditionellen Hochlagen-Kulturlandschaft. Hier sind artenreiche Bergwiesen und -weiden, Magerrasen, Feuchtgebiete, Moore, Steinriegel und Hecken zu sehen. Die Exkursion informierte über laufende Naturschutzmaßnahmen und welche Ziele in Zukunft erreicht werden sollen. „Die fachlich fundierten Führungen mit Tobias Windmaißer, verantwortlich für das BN-Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ und mit dem Naturparkranger Markus Grünzinger am Dreisesselberg und nach Haidmühle zur dortigen Moor-Renaturierungsfläche, waren sehr aufschlussreich.“ erklärt die Organisatorin der Bildungsreise und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe, Brigitte Reinhardt. Am ersten Tag war das Gebiet „Brennerin“, nähe Altreichenau das Ziel. Historische Wässergräben, die zur Bewässerung der Wiesen von den Vorfahren angelegt und bis in die 1960er Jahre genutzt wurden, sind nun reaktiviert. So entstehen wieder artenreiche Wiesen mit Pflanzen wie dem Schlangenknöterich, der Silberdistel, dem Arnika und der Sumpfkratzdistel, die für Rüsselkäfer zur Fortpflanzung sehr wichtig ist.
Am zweiten Tag ging es mit Naturpark-Ranger Markus Grünzinger auf den Dreisesselberg. Hier sind große Flächen als Auerhuhngebiet ausgewiesen, die bis Mitte Juli für Wanderer gesperrt sind. Im Hochwald finden sich seltene Vögel, der Rauhe-Flachkäfer, ein Urwaldrelikt, kommt nur hier vor. Er benötigt Pilze als Nahrung, die am Totholz wachsen.
Weitere Pflanzen die nur hier wachsen wie der Bergwaldfarn, Alpenmilchlattich, der Böhmische und der Ungarische Enzian sind am Gipfel zu finden. Weiter ging es nach Haidmühle zum Moor-Renaturierungsprojekt an der Grenze zu Tschechien mit den typischen Pflanzen und seltenen Insekten wie dem Eisvogelfalter. Zum Abschluss besuchte die Gruppe noch den Birkhuhn-Rückzugsort (LBV) „Schnellenzipf“, wo 6-8 Birkhähne im Frühjahr balzen. Am letzten Tag war das Mauthler Filz das Ziel. Es ist Teil eines BN-Projekts, das sich mit dem Biotopverbund von Feuchtflächen, Magerrasen, Bergmähwiesen, Gewässern und Wäldern beschäftigt. Tobias Windmaißer gab eine kurze Einführung über die durchgeführten Maßnahmen am Moor. Es folgte die Besichtigung der Projektfläche „Lichtwald“ am Fürstenhuter Denkmal in Finsterau, der bis in die 60er Jahre im Sommer als Almende für das Vieh der Orte Mauth und Finsterau genutzt wurde. Von hier aus begab sich die Gruppe auf eine 9-km-Wanderung zurück nach Mauth, an insgesamt sieben BN-Projektflächen vorbei, durch das Sauß- und Rothbachtal. Die Maßnahmen zum Moorschutz und zur Renaturierung von ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen boten ein Naturerlebnis, bei dem gleichzeitig über Naturschutz- und Artenschutz informiert wurde. „Es ist erfreulich, wie schnell die Artenvielfalt zurückkehrt, wenn man das Richtige macht,.“ bemerkte Brigitte Reinhardt.
Die letzte Exkursion des Jahres führte Wilhelm Mittermeier, Landschaftsgärtner und Biobauer. Ziel war der Park des Wasserschlosses in Schönau im Rottal mit vielen alten Bäumen. Der Park wurde 1867 von Carl von Effner mit heimischen und exotischen Bäumen gestaltet. Auf dem Gelände durften die vor 160 Jahren gepflanzten Bäume und die vorhandenen alten Eichen, Buchen, Kiefern zu stattlicher Größe wachsen. Alte Bäume sind für die Artenvielfalt besonders wichtig. Sie bieten tausenden Käferarten, Insekten, vielen Vögeln und Kleintieren Nahrung und Heimat.
Die Pflegemaßnahmen auf dem Bund Naturschutz-Grundstück in Edenstetten wurden heuer wieder von engagierten Mitgliedern ausgeführt. Im Februar konnten weitere Fichten gefällt werden. Nun kommt mehr Licht auf den Boden und es können sich standorttreue Pflanzen ansiedeln. Das Mähen und Abtransportieren des Mähguts erfolgte im Juli und Oktober. Auf der Fläche sollen in Zukunft kleine Wirbeltiere, Amphibien und Insekten optimale Bedingungen für ihr Gedeihen vorfinden.
Etliche Veranstaltungen fanden in Kooperation mit anderen Umweltorganisationen statt und Reinhardt freut sich über die langjährige gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Zu guter Letzt gab es noch einen Ausblick auf kommende Aktivitäten. „Ich freue mich, alle Interessierten zum Stammtisch mit Jahresplanung 2027 am Donnerstag 12.11.26 um 19 Uhr im Landgasthof Koller in Aschenau begrüßen zu dürfen“, schloss die Vorsitzende Brigitte Reinhardt die Zusammenkunft ab.






