Möglichkeiten des dezentralen Hochwasserschutzes: ein Thema auch beim Donaukongress am 8. Dezember in Niederalteich

Seit Bekanntwerden des Koalitionsvertrages ist das Thema wieder besonders akut: Was können und müssen die Oberlieger an einem Fluss in Sachen Hochwasserschutz für die Unterlieger leisten? Wegen der neuen Aktualität hat der BUND Naturschutz einen Vortrag beim Donaukongress am 8. und 9. Dezember ausgetauscht. Dr. Christine Margraf wird Möglichkeiten des naturnahen, dezentralen Hochwasserschutzes präsentieren.

Aktive Auen (hier im Isarmündungsgebiet) haben einen Effekt auf den Hochwasserabfluss, indem Sie Wasser aufnehmen und den Abfluss verzögern. (Bild: G. Kestel / BN)

Dezentraler Hochwasserschutz heißt Rückhalt in der Fläche, zum Beispiel in Form von Ausuferungsmöglichkeiten für Gräben und Bäche. Wasser, das hier in der Fläche bleibt bzw. verzögert abfließt, entlastet die großen Flüsse von Hochwasser. (Bild: G. Kestel)

Die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden ist mit entscheidend für die Bildung von Hochwasser. Humusarmer Boden mit wenig Bodenleben bedeutet meist eine deutliche Verringerung der Aufnahmefähigkeit; entscheidend hierfür sind die Grobporen, die vor allem von Regenwürmern angelegt werden, und die Verdichtung durch intensive Befahrung mit schwerem Gerät oder aufgrund der Bildung einer Pflugsohle.

27.11.2018

Seit Bekanntwerden des Koalitionsvertrages ist das Thema wieder besonders akut: Was können und müssen die Oberlieger an einem Fluss in Sachen Hochwasserschutz für die Unterlieger leisten? Wegen der neuen Aktualität hat der BUND Naturschutz einen Vortrag beim Donaukongress am 8. und 9. Dezember ausgetauscht. Dr. Christine Margraf wird Möglichkeiten des naturnahen, dezentralen Hochwasserschutzes präsentieren.

„Das Thema ist für uns eigentlich nichts Neues. Im Koalitionsvertrag werden aber jetzt nicht nur einzelne Flutpolderstandorte in Frage gestellt, sondern es wird interessanterweise auch speziell die Förderung von dezentralen Maßnahmen hervorgehoben“, erklärt Georg Kestel, Vorsitzender der Kreisgruppe Deggendorf des BUND Naturschutz. „Derartige Maßnahmen sind zwar schon länger auch im Hochwasserschutzkonzept der bayerischen Staatsregierung genannt, führten aber, vor allem im Vergleich zu den Flutpolderplänen, bisher eher ein Schattendasein“, meint Kestel. „Wir erwarten, dass sich in diesem Bereich deutlich mehr tut.“

Die bisherige Präferenz für technische Einrichtungen wie gesteuerte Flutpolder könne auch daran liegen, dass die Effekte des naturnahen Hochwasserschutzes, der sich auf größere Flächen, Gewässersysteme und gesamte Landschaften verteilt, meist deutlich schwerer zu berechnen sei als ein einzelner Flutpolder. „Der Effekt von naturnahen Maßnahmen ergibt sich eher aus der Verzögerung des Abflusses und der Entzerrung von Hochwasserspitzen und weniger aus der ‚Zwischenlagerung‘ von Wasser.“ Bei Flutpoldern müsse umgekehrt aber berücksichtigt werden, dass deren Steuerung alles andere als einfach ist. „In den bisherigen Gutachten der TU München zum Polderkonzept wird anhand von Hochwassern der letzten Jahre deutlich, dass auf Basis der damaligen Prognosen Flutpolder in einigen Fällen zu einem völlig falschen Zeitpunkt gefüllt worden wären“, merkt Kestel an.

Grundsätzlich müssten aber auch nach Meinung des BN bei den Oberliegern Hochwasserschutzmaßnahmen für die Unterlieger realisiert werden, also auch z. B. der Landkreis Regensburg für die Landkreise Straubing und Deggendorf „liefern“. Schließlich hätten sich in den letzten Jahrzehnten im gesamten Einzugsgebiet erhebliche Verschärfungen ergeben. „Der Donau wurden im Zuge von Eindeichung und Staustufenbau etwa 70 % ihres Überflutungsraumes genommen, einzelnen großen Seitengewässern wie der Isar sogar noch mehr. Auch die Begradigung und Tieferlegung von Bächen und die Entwässerung von Feuchtgebieten und Mooren verschärft die Situation. Hinzu kommt auch die zunehmende Verdichtung und Porenarmut vieler landwirtschaftlich genutzter Böden, so dass mehr und schneller Wasser an der Oberfläche abfließt. Vor allem bei kleineren Einzugsgebieten ist zusätzlich auch die zunehmende Versiegelung zu spüren“, erklärt der Deggendorfer BN-Chef. „Für uns heißt natürlicher Hochwasserschutz, die genannten negativen Veränderungen wieder umzudrehen. Man darf diese Aufgabe aber keinesfalls unterschätzen, denn dazu muss man jahrzehntelang eingeübte Verhaltensweise und Sichtweisen ändern – das Wasser muss künftig nicht mehr aus der Landschaft ausgetrieben, sondern dort gehalten werden.“

Speziell mit der Funktion von lebendigem, humusreichem Boden im Wasserhaushalt beschäftigt sich in dem Zusammenhang ein weiterer Vortrag auf dem Donaukongress. „Wir freuen uns sehr, dass mit Christian Fuchsgruber ein praktizierender Landwirt und seinen Umgang mit dem Boden präsentiert. Wichtig ist ein lebendiger Boden ja nicht nur in Hinblick auf den Hochwasserschutz. Das Zurückhalten von Wasser wird in Zukunft auch wegen der zunehmenden Dürreperioden entscheidend wichtiger werden“, meint Kestel.
Am 9. Dezember ist eine Exkursion an die Isarmündung geplant – ein Bereich, in dem u. a. eine Deichrückverlegung von etwa 20 ha vorgesehen ist.

Das gesamte Programm des Donaukongresses finden Sie hier.

Der Eintritt zum Kongress ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.