Nachruf auf Altabt Emmanuel Jungclaussen

Am 8. Dezember in der früh ist Altabt Emmanuel Jungclaussen verstorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf auf einen großen Geistlichen und wichtigen Freund der Natur und der frei fließenden Donau, gehalten von Georg Kestel als Grabrede bei der Beerdigung in Niederalteich am 14. Dezember 2018.

Donaufest 2012

Altabt Emmanuel Jungclaussen (beim Donaufest 2011; Bild: G. Kestel)

13.12.2018

Wir haben vom Tod von Altabt Emmanuel Jungclaussen am letzten Samstag in der früh erfahren - etwa eine Stunde vor Beginn unseres Donaukongresses in Niederalteich. Es war ziemlich genau die Uhrzeit, zu der ich mich sonst vor Beginn dieser Veranstaltung üblicherweise mit ihm kurz über sein Grußwort verständigt habe.

Neben dem Kongress hat sich im Lauf der Jahre eine ganze Reihe von Veranstaltungen an der Donau und für die Donau entwickelt. Auf Emmanuel Jungclaussen gehen die Donausegnungen am Fest der Taufe Christi im Januar zurück. Er hat sie seit 1994 in Niederalteich in Anlehnung an die Flusssegnungen der Ostkirche zelebriert. Aus der ersten Donausegnung hat sich dann ein Kreis für die lebendige Donau gebildet, der sich bis heute regelmäßig zum Gebet am Donaukreuz trifft.

Zusammen mit den Donaukongressen und dem Donaufest, das wir seit 2002 jedes Jahr an Christi Himmelfahrt ebenfalls hier in Niederalteich feiern, haben sich diese Veranstaltungen im Lauf der Zeit zu einer Art Familientreffen entwickelt. Es sind wichtige regelmäßige Zusammenkünfte für alle, denen ihre Mitwelt, die Natur, die Donau und die Donaulandschaft am Herzen liegen - sei es organisiert in vielen verschiedenen Vereinen, Verbänden und Initiativen, sei es aus jeweils eigenem, persönlichen Engagement.

Für all diese Menschen möchte ich hier stellvertretend sprechen, für alle diese Menschen möchte ich Emmanuel Jungclaussen heute noch einmal die Ehre erweisen und Dank sagen.

Ich glaube, ich kann auch für alle sprechen, die es miterlebt haben: Allein schon die Anwesenheit von Altabt Emmanuel, oder eben erst recht seine Worte gaben den verschiedenen Zusammenkünften an der Donau ihre ganz eigene Prägung, ein ganz eigenes Gewicht. Ich hoffe, man darf das so sagen, aber ich habe das so gespürt: Mit seiner Anwesenheit lag immer ein Segen auf der jeweiligen Zusammenkunft.

Wie bei allen Menschen erklärt sich manches an der Person von Emmanuel Jungclaussen aus seiner Biografie: Das dichte Wurzelgeflecht seiner Naturverbundenheit entwickelte sich schon in seiner Kindheit und Jugend in der elterlichen Gärtnerei; er sei eben buchstäblich "im Grünen" aufgewachsen, hat der Altabt mir vor einigen Jahren im Bierzelt bei einem Donaufest erzählt; ebenfalls schon aus der Jugend stammt auch die enge Verbindung zu den Flüssen, denen Jungclaussen sein Leben lang verbunden blieb: der Oder, der Elbe, dem Main. Und zuletzt der große, europäische und völkerverbindende Strom, die Donau.

So wie all diese Flüsse in ihrem Lauf in ganz unterschiedliche Himmelsrichtungen orientiert sind, so frei hat auch Jungclaussen sich in seinem Leben bewegt - das Bild ist nicht zu weit hergeholt, Jungclaussen selbst hat das menschliche Leben oft und gern mit Flüssen verglichen. Er stammte aus einer evangelischen Familie, wuchs in einer nach anthroposophischen Grundsätzen geführten Gärtnerei auf, konvertierte in Hamburg zum katholischen Glauben, und suchte schließlich hier an der Donau den Kontakt und den Austausch mit der Ostkirche, ihrem Lauf nach Osten bis zum Schwarzen Meer, bis nach Konstantinopel folgend.

Wenn ich zurückdenke an meine eigenen Begegnungen mit Emmanuel Jungclaussen, dann war klar, dass es bei ihm immer ein "mehr" gab, dass es ihm auch bei den Flüssen selbstverständlich nie nur um die reine Physik der Wasserbewegung ging, wenn er von der Kraft des Strömenden sprach. Dieses "Mehr" konnte jeder spüren. Ich glaube, es war seine besondere spirituelle Verbindung zur Schöpfung, zu allem, was um uns herum lebt, und das aus dem Herzen heraus; auch das bewegte Wasser, das Strömende, war für ihn in diesem Sinne Leben. Er hat das selbst so formuliert: "Mein Lebensinhalt war und ist die Liebe zur Natur in einem tiefen und umfassenden Sinn. Das fließende Wasser mit seinem beständigen Spiel des Lichtes in seinen Wellen ist das Symbol des Lebendigen und der Schöpfung schlechthin."

Für Emmanuel Jungclaussen gab es damit, nach meiner Wahrnehmung, eine doppelte spirituelle Verankerung: eine nach unten, zur Erde und zur Natur; und eine nach oben, zu seinem Gott.

Aus dieser doppelten Verankerung und Verwurzelung zog Emmanuel Jungclaussen seine besondere Kraft.

Eine Kraft allerdings, die nie laut war. Ich habe Jungclaussen nie anders erlebt als bescheiden und unprätentiös; als wirklich jedem zugewandt, ob groß oder klein. Und doch war diese Kraft groß, in sich ruhend und, wenn es sein musste, auch unerschütterlich und unerschrocken; erst recht, wenn es galt, eben diese Natur zu verteidigen. Und dabei hat er auch noch das Kunststück fertig gebracht, seine Kraft stets in Leichtigkeit und Humor zu verpacken - beispielhaft ist das Ende seines Appells an den damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, bei dessen Donaubereisung 2012, hier im Feuerwehrhaus in Niederalteich; der Ministerpräsident müsse schon die frei fließende Donau erhalten - denn mit einem Stau in der Donau wäre dann nicht nur der Fluss, sondern ja wohl auch "seine Regierung im Eimer".

Jungclaussen hatte stets sein "wofür", seinen guten Grund für seine klare Haltung; mit seinen Worten ausgedrückt: "Wir müssen dafür eintreten, dass die Sprache Gottes in der Schöpfung deutlich vernehmbar bleibt."

Wir haben am letzten Samstag sicherlich eine wichtige Stimme, einen wichtigen geistigen Vater und geistlichen Beistand verloren - aber ich meine, wir können, wir sollten uns diesen Satz heute als sein Erbe und Vermächtnis zu Eigen machen: "Wir müssen dafür eintreten, dass die Sprache Gottes in der Schöpfung deutlich vernehmbar bleibt."

Im Jahr 2008 hat Emmanuel Jungclaussen für seine Verdienste für den Naturschutz und für die Donau den Bayerischen Naturschutzpreis erhalten. Bei der Preisverleihung hat er auch einige Schalen der Donau-Kahnschnecke erhalten; eine Art, die dem Geehrten natürlich schon vorher bekannt war, die Schalen lassen sich auch am Ufer der Donau bei Niederalteich finden.

Die kleine Schnecke hat, wohl wegen ihrer feinen Schönheit, den eigentümlichen zoologischen Namen "Theodoxus" erhalten. Ich habe mir sagen lassen, dass man "Theodoxus" in etwa mit "Gottesglanz" oder "Gottesgeschenk" übersetzen kann.

Wenn wir heute Abschied von Emmanuel Jungclaussen nehmen, dann verneigen wir uns noch einmal vor einem großen Vorbild. Vor einem, der uns gezeigt hat, wie das geht: "Leben und leben lassen". Wie das geht, "mit dem Herzen gut zu sehen". Und der uns vor allem gelehrt hat, in den kleinen und großen Dingen der Natur den "Glanz Gottes" zu sehen.

Emmanuel Jungclaussen ruhe in Frieden.