Vortrag „Die dunkle Seite des Lichts“

Die Ortsgruppe des BUND Naturschutz Bernried-Metten-Offenberg lud in Kooperation mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) Deggendorf, der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) und dem Zukunftsforum Metten zum Vortrag „Die dunkle Seite des Lichts“ ein. Die Referentin Margit Seifert, Teammitglied bei „Paten der Nacht“, eine gemeinnützige Organisation zur Eindämmung der Lichtverschmutzung, Umweltpreisträger und Initiator der alljährlichen Earth Night, zeigte eindrucksvoll auf, wie Kunstlicht Tiere, Pflanzen und Menschen beeinträchtigt und wie wir natur- und insektenschonend beleuchten können. Denn Lichtverschmutzung ist inzwischen eine ernste Bedrohung für unsere Ökosysteme und gilt laut BUND als eine der sieben Hauptursachen für das Insektensterben. Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Fruchtpflanzen (z.B. nachtaktive Schmetterlinge) und sind Nahrungsquelle für viele Tiere (z.B. Vögel, Igel und Fledermäuse). Diese leiden deshalb auch unter dem Insektenschwund.
Etwa eine Milliarde Insekten sterben in Deutschland jährlich an Erschöpfung wegen Dauerumkreisung an Straßenlaternen, ein Vielfaches an anderen Lichtquellen wie Werbe- oder Hausbeleuchtung und an Beleuchtung im Garten. Immer mehr und immer länger und heller strahlende Leuchten lassen die Helligkeit weltweit jedes Jahr um fast 10 % steigen. Sehr helle und aufwärts strahlende LED-Leuchten wie z.B. die beliebten Up-and-down-Leuchten an Gebäuden tragen besonders zur Entstehung von „Lichtglocken“ am Himmel bei. Zahlreiche Tiere wie Insekten, Vögel, Fledermäuse, Igel und Wasserlebewesen werden durch unsere Beleuchtungen stark beeinträchtigt. Zugvögel , die meist nachts ziehen, kommen vom Kurs ab oder kollidieren mit hohen Gebäuden, während tagaktive Vögel nicht erholsam schlafen können und im Winter zusätzlich geschwächt werden. Nachts angestrahlte Bäume werfen im Herbst ihr Laub verspätet ab und treiben im Frühjahr vorzeitig aus, was jeweils zu Frostschäden führen kann. Wegen länger geöffneter Blattporen sind diese Bäume anfälliger für Austrocknung. Die Photosynthese „rund um die Uhr“ stresst den Baum.
LED-Flächenstrahler tragen besonders zur Lichtverschmutzung bei. Viele sind deutlich heller als nötig und oft werden sie aufgerichtet montiert, statt waagerecht. Als Beispiel nannte die Referentin einen Parkplatz-Strahler, der noch in 0,5 km Entfernung als hellster Punkt der Ortschaft zu sehen war. Asymmetrisch leuchtende Strahler leuchten Flächen besser aus, weil sie waagerecht ausgerichtet werden können. Es gibt Straßenleuchten, die entlang eines Fußwegs einen großen Bereich ausleuchten könne, ohne in den Rückraum zu strahlen und zu blenden.
Mehr Helligkeit bedeutet nicht unbedingt besseres Sehen, denn unsere Augen können sich perfekt an eine dunkle Umgebung anpassen. Allerdings dauert das einige Minuten - 20-30 Minuten bis zur vollständigen Anpassung. Blendet eine Lichtquelle, sehen wir Hindernisse schlechter oder gar nicht. Bei hellem, blendendem Licht entsteht der sog. „Laufsteg-Effekt“, wir sehen die dunkle Umgebung nicht.
Um helles Licht im öffentlichen Raum zu begründen, wird oft auf die Sicherheit verwiesen. Untersuchungen ergaben jedoch: „ An dunklen Orten passieren weniger Verkehrsunfälle, als an hell beleuchteten, obwohl das Gefühl etwas anderes sagt, denn auf hell beleuchteten Straßen wird schneller gefahren“ erklärte Margit Seifert. Kriminalstatistiken im In- und Ausland ergeben keine Zunahme von Delikten bei Abschaltung der Straßenbeleuchtung. In Frankreich gibt es seit vielen Jahren in mehr als einem Drittel aller Kommunen Nachtabschaltungen, auch in Städten wie Bordeaux. Seit 2013 muss dort laut Gesetz auch Werbebeleuchtung zwischen 1 und 5 Uhr abgeschaltet werden.
Beleuchtung an Haus und im Garten ist oft gestalterisch motiviert. Auch hier wird die Natur mit ihren Nachtlebewesen „übersehen“. Seit Urzeiten ist der Vollmond die hellste Lichtquelle für unsere nachtaktiven Tiere. Mit unseren hellen Leuchten blenden und stressen wir sie und können sie sogar dadurch töten. Glühwürmchen beglücken uns in lauen Sommernächten nur wenn es wirklich dunkel ist. Andauernde Gartenbeleuchtung machen Glühwürmchen den Garaus. Die Männchen fliegen die Leuchten an statt ihre Weibchen. Glühwürmchen wären ein Segen für Hobbygärtner: Ihre Larven fressen auch Nacktschnecken. Dagegen regt Licht bei Schnecken die Eiablage an.
Man muss jedoch nicht gänzlich auf Außenbeleuchtung verzichten. Bereits mit einfachen Mitteln kann bestehende Beleuchtung naturschonender werden. Hier ein paar Tipps: nur bei Bedarf beleuchten, warm-weißes oder gelb-oranges (Amber) Licht benutzen oder gelbe Zirkon-Folie aufkleben, Helligkeit reduzieren, Leuchten nach unten richten, Lichtstrahlen nach oben abkleben. Indirektes Licht, das z.B. nur Stufen beleuchtet, ist angenehm für alle. Diese Grundregeln gelten ebenso für Werbe- und Straßenbeleuchtung. Kommunen könnten auch Licht-Leitlinien erlassen, die Werbe- und private Beleuchtung begrenzen.
„Das Beste für alle Lebewesen ist keine Beleuchtung. Wenigstens das Licht über Nacht ausschalten schont obendrein den Geldbeutel“, bemerkte Brigitte Reinhardt, 1. Vorsitzende der OG Bernried-Metten-Offenberg BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Die Referentin bietet Vorträge auch speziell für Stadt- und Gemeinderäte, sowie Unterricht an Schulen an. Mehr Informationen, auch zu Lichtverschmutzung allgemein, finden Sie unter: |








