Natur- und Kulturerbe an der Donau

Die niederbayerische Donau zwischen Wörth an der Donau und Passau ist eines der am frühesten besiedelten Gebiete Europas. Schon in der Altsteinzeit finden sich hier Spuren von Menschen. Im Straubinger Raum bezeugen Funde die Anwesenheit von Menschen schon vor 50.000 Jahren. Für das Stadtgebiet von Straubing ist die vorgeschichtliche Siedlungskontinuität ab dem Neolithikum fast lückenlos archäologisch dokumentiert. Als eines der ältesten Siedlungsgebiete, als Grenzraum des römischen Reichs zu Germanien, als ein Zentrum der Christianisierung des östlichen Mitteleuropas, als Stätte bedeutender Entwicklungen des Mittelalters und der Neuzeit, dokumentiert durch die Stadtdenkmalensembles von Straubing oder von Deggendorf, ist dieser Raum ist von größter geschichtlicher und kultureller Bedeutung.

Zwischen Straubing und Vilshofen befindet sich auf etwa 70 km Länge das letzte erhaltene Teilstück einer frei fließenden Donau mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Einschließlich des Isarmündungsgebiets hat dieser Abschnitt eine ökologische Qualität wie sie sonst in ganz Europa kaum noch zu finden ist. Für viele Vogel-, Fisch- und Muschelarten ist er letzter Rückzugsraum zur Arterhaltung.

Der Verband bayerischer Geschichtsvereine, der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und der BUND Naturschutz erklärten auf dem 33. Bayerischen Heimattag 2005 ihre Absicht, alle Schritte zu unternehmen, um die Donaulandschaft zwischen Regensburg und Passau als Weltkultur- und Weltnaturerbe von der UNESCO ausweisen zu lassen.

Nach einem Aufruf des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat die Arbeitsgemeinschaft „Der Bayerische Heimattag“ am 24. Februar 2011 den Vorschlag eingereicht, die Region zwischen Regensburg und Passau unter dem Titel „Natur- und Kulturlandschaft niederbayerischen Donau“ in die neue Tentativliste zum UNESCO-Welterbe als Natur- und Kulturerbe (sogenannte mixed site) aufzunehmen. Bisher hat Bayern ausschließlich Kulturerbe-Vorschläge an die Kultusministerkonferenz des Bundes weitergereicht; wie mit Natur- und Kulturerbe zu verfahren ist, ist zwischen den für Kultur und für Umwelt zuständigen Staatsministerien noch nicht abschließend geklärt.

Der Vorschlag der Bewerbung um das UNESCO-Prädikat „Welterbe“ wird in der niederbayerischen Donauregion mehr und mehr unterstützt. Elf Donauanlieger-Kommunen der Landkreise Straubing-Bogen, Deggendorf und Passau haben sich mittlerweile, nach Abstimmung in ihren Stadt- und Gemeinderäten, mit Resolutionen für die Welterbe-Bewerbung an das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gewandt.

Michael Ritter, der im Landesverein für Heimatpflege den Bayerischen Heimattag organisiert, stellt fest: „Eine Voraussetzung für den angemessenen Schutz von Kulturlandschaften ist der beständige Wille der Bewohner solcher Regionen, für den Wert – oder besser gesagt: den Mehrwert – ihrer natürlichen und kulturellen Umwelt einzutreten und sie zu verteidigen. Ein solches Wertbewusstsein diesen Belangen gegenüber wird besonders dann wahrgenommen und verstärkt, wenn ihre Bedeutung formuliert und anerkannt ist. Eine Eintragung in die Liste des UNESCO-Welterbes ist dabei eine der höchsten Anerkennungen, die einem Natur- und Kulturraum zukommen kann.“

Prof. Dr. Manfred Treml, Vorsitzender des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine e.V.: „Die Region Niederbayerns an der Kulturbrücke Donau ist eng verbunden mit wichtigen historischen Ereignissen, die bis heute die Vorstellung von europäischer Geschichte, Kultur und Religion prägen.“

Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V., bekräftigt: „Die im Bayerischen Heimattag zusammenarbeitenden Organisationen werden weiterhin alles daran setzen, dass die niederbayerische Donauregion mit dem UNESCO-Prädikat „Welterbe“ die Ankerkennung erfährt, die ihr entsprechend ihrer kulturellen Bedeutung und ihrem ökologischen Wert zusteht.“ Dieter Scherf, Donauexperte im Landesvorstand des BUND Naturschutz: „Mit Schwerpunktveranstaltungen streben wir an, die Bedeutung der Region stärker in das Bewusstsein ihrer Anwohner zu bringen und über die Region hinaus bekannt zu machen.“

Die Pressefahrt am 14. November 2014 hat das Schwerpunktthema „Straubing - reiche Geschichte, wertvolle Natur, lebendige Stadt“. Das Kirchhof-Ensemble von St. Peter zeugt noch heute von der herausgehobenen Bedeutung Alt-Straubings und ist zugleich ein steinernes Dokument der gesamten Stadtgeschichte. Mit dem Natura2000-Schutzgebiet „Pillmoos“ befindet sich in unmittelbarer Stadtnähe ein vom Fluss geprägtes, naturnahes Auengebiet, ein Refugium vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Das historische Zentrum Straubings beweist eindrucksvoll, dass ein betriebsames modernes Stadtleben und ein bewusst gepflegtes, reiches Kulturerbe kein Widerspruch sind.