Biotop-Pflege: Mähen und Entbuschen für Holunder-Knabenkraut und Arnika

Manchem mag es seltsam erscheinen – aber um besonders seltene Pflanzen zu erhalten, schneiden selbst Naturschützer ab und zu Gehölze zurück. „Die bedrohten Arten der mageren Bergwiesen sind auf Nutzung im richtigen Maß angewiesen. Für viele besondere Pflanzen, wie die Orchideen oder zum Beispiel auch die Arnika sind die richtigen Bedingungen heute aber sehr selten geworden. Zu viel Düngung ist genauso schlecht wie fehlende Bewirtschaftung oder Verbuschung“, erklärt Georg Kestel, der Vorsitzende des Bund Naturschutz Deggendorf anlässlich einer Pflegeaktion der Kreisgruppe auf einem Bergwiesen-Grundstück des Verbandes am Brotjacklriegel.

Highlight der dortigen Flora ist das Holunder-Knabenkraut. „Die Vorkommen im Bayerischen Wald gehören zu den europäischen Kernvorkommen. Niederbayern trägt damit eine besondere Verantwortung für diese Art. Die Orchidee zeigt gleichzeitig gelb und rot blühende Pflanzen und ist eine Charakterart der besonders nährstoffarmen, artenreichen Bergwiesen“, erläutert der Chef der Deggendorfer Naturschützer.

Wegen der besonderen Bedeutung wird der Bestand im Bayerischen Wald wie auch auf dem BN-Grundstück durch Spezialisten im Auftrag der Regierung von Niederbayern und des Naturparks betreut. Bei den praktischen Pflegemaßnahmen können die Naturschützer auch auf die Unterstützung der örtlichen Landwirte zählen. „Der allergrößte Teil der Fläche wird von einem Landwirt aus Neufang ganz hervorragend gepflegt. Daher können wir uns auf die Bereiche und Arbeiten konzentrieren, die für Maschinen nicht zugänglich sind, oder für die man vor allem Manpower braucht.“

Der Arbeitseinsatz für die Freiwilligen für dieses Jahr war damit an einem Tag erledigt – Schwerpunkt war in diesem Jahr die Nachmahd der besonders buckligen und steinigen Stellen, außerdem das Nachschneiden von Büschen, die vom Rand her in die Fläche einwachsen und im letzten Jahr vor allem zurückgedrängt wurden. Neben dem „Chef“ der Kreisgruppe griffen noch Beate und Harald Freihoffer, Eva Schreiner, Hubert Ammer, Mirka Knopf und Christian Baumann zu Sense, Baumschere und Säge oder kümmerten sich um den Abtransport des Mäh- und Schnittgutes.

„Von den Orchideen sieht man im Herbst leider nichts mehr, aber neben einigen anderen Pflanzen waren immerhin Arnika und Silberdistel noch zu finden. Sie bleiben erfreulicherweise in einem guten Bestand oder nehmen sogar zu. Zusammen mit der tollen Aussicht entschädigt das für den Muskelkater, den man sich beim Mähen mit der Sense schnell einhandelt“, freuten sich die Aktiven der Kreisgruppe.

Interessenten, die uns bei der nächsten Aktion unterstützen möchten, melden sich bitte in der Geschäftsstelle per Telefon (0991 - 32555) oder per mail (deggendorf@bund-naturschutz.de).

Die Arnika war früher im Bayerischen Wald häufig und wird heute durch die Aufdüngung oder auch die Verbrachung, Verbuschung oder Aufforstung von Wiesen und Weiden verdrängt. (Bild: G.Kestel)
Das Holunderknabenkraut kommt auf mageren, artenreichen Bergwiesen vor – neben der gelben Form sind auf dem Grundstück des Bund Naturschutz am Brotjacklriegel auch rotblühende Pflanzen zu finden. (Bild: G.Kestel)