Exkursion von BN und LBV
Die BN-Ortsgruppe Bernried-Metten-Offenberg lud am 2. Mai in Kooperation mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) zu einer Führung über den Himmelberg mit seinen zahlreichen Biotopbäumen ein.
Bei sonnigem Wetter trafen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einem Spaziergang in das Waldgebiet bei Metten. Der Referent, Walter Hanschitz-Jandl, langjährig bei der BN-Kreisgruppe aktiv und versierter Artenkenner, führte die Gruppe und teilte sein umfangreiches Wissen.
Vom Wanderweg aus sind die markierten Biotopbäume gut zu erkennen, meistens sind sie mit einer Welle und einer Nummer gekennzeichnet. Der Freistaat Bayern fördert den Erhalt von Biotopbäumen, z. B. mit Spechthöhlen und Baumpilzen durch das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald). Private Waldbesitzer und Kommunen erhalten hierfür ca. 125 bis 250 Euro pro Baum als Einmalzahlung für einen Zeitraum von 12 Jahren. Die Bäume werden digital erfasst, und Anträge können über das Waldförderportal beim zuständigen Forstamt eingereicht werden.
Im stehenden Alt- und Totholz können sich ca. 1500 Käferarten entwickeln und unzählige Insektenlarven finden hier Nahrung und Verstecke. So entsteht ein reichhaltiges Angebot an fliegenden Insekten, die für viele Vögel und bedrohte Fledermausarten wiederum als Nahrungsgrundlage dienen. Die Baumhöhlen sind Kinderstuben für in Höhlen brütende Vögel.
Schon gleich zu beginn begrüßte der Gartenrotschwanz, ein Halbhöhlenbrüter, mit seinem abwechslungsreichen Gesang die Gruppe. Einige Vogelarten kann man anhand ihres Gesangs gut zuordnen. Goldammer, Blaumeise, Buchfink, Grünfink, Singdrossel und Mönchsgrasmücke waren zu hören. Zu sehen waren nur kurz Bachstelze, Kleiber und ein Buntspecht.
Liegendes Totholz bereichert ebenfalls die Lebensgrundlage der Klein- und Kleinstlebewesen. Es gibt 600 verschiedene Pilze, die Holz zerlegen können. Hierbei entsteht Mulm und bietet Kleinorganismen Lebensraum. Das nun weiche Holz saugt sich stark mit Wasser an, sodass es als liegende Wasserquelle im Wald wirkt.
Eine besondere Rolle spielt der Buntspecht, er wird nicht ohne Grund „Baumeister des Waldes“ genannt. Er klopft Höhlen sogar in Eichenstämme, die später von anderen Vögeln oder Fledermäusen genutzt werden. Die größten Höhlen meißelt der Schwarzspecht in die Bäume, um Nahrung zu suchen. Auch diese Höhlen übernehmen später andere Vögel. Der Kleiber hat dabei eine besondere Taktik: er verkleinert die großen Höhlen mit einer Klebemasse, sodass nur er mit seinem Gelege in die Höhle passt. Auch die abstehende Rinde von absterbenden Bäumen bietet für Baumläufer Brutmöglichkeiten und Fledermäusen Schutz. Im Mulm baut zum Beispiel die Weidenmeise ihre Höhle. So bietet jedes Zersetzungsstadium der alten, liegenden und stehenden Bäume eine Nische für viele unterschiedliche Lebensformen. Im Urwald gibt es 10 – 20% Totholz, im Wirtschaftswald nur 1%. „Es ist schön zu sehen, dass hier am Himmelberg seit einigen Jahren Holz liegen bleibt“, bemerkte Brigitte Reinhardt Vorsitzende der BN- Ortsgruppe.
Der Wald am Himmelberg ist sehr vielfältig. Neben Buchen und Bergahorn stehen vereinzelt Winterlinde, Lerche und Föhre. Ulmenfrüchte am Boden zeigen, dass irgendwo auch eine Ulme sein muss. Seit den 70er Jahren dezimiert ein Pilz den Bestand stark. „Umso erfreulicher ist es, diesen Baum hier zu sehen“, so Reinhardt. Auch junge Eschen am Wegrand machen Hoffnung auf eine Erneuerung des Eschenbestandes. Vereinzelt sind auch Douglasien, Roteichen und Robinien als nichtheimische Arten zu finden. „Leider tragen diese wenig zum Ökosystem bei, weil sie nur von wenigen Tierarten genutzt werden können, sie sind aber eben gute ‚Holzlieferanten‘“, bewertet die Vorsitzende der BN-Ortsgruppe diese Pflanzungen.
Bäume erfüllen viele wichtige Funktionen im Ökosystem. Eine der wichtigsten ist die Fähigkeit Kohlendioxid (CO2) zu speichern – ein hundertjähriger Baum bindet etwa eine Tonne Kohlenstoff. Die Kohlenstoffspeicherung ist angesichts der durch menschlich verursachte CO2 Emissionen verursachten Erderwärmung unerlässlich und liefert im Gegenzug Sauerstoff zum Atmen. Bäume kühlen die Umgebung zudem durch Schatten und Wasserverdunstung.
Der vielfältige Mischwald hat daher nur Vorteile für Mensch und Natur, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig.








