Donauschifffahrt 2019: Die frei fließende Donau als besonderes Erlebnis

Bild: H. Inkoferer (BN)
Der Landesvorsitzende des BUND Naturschutz, Richard Mergner, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der MS Johanna – und erinnerte unter anderem an die Schifffahrt mit Horst Seehofer im Dezember 2012 vor der Entscheidung zum Donauausbau. Bild: H. Inkoferer (BN)
Niederalteich an der Donau. Bild: H. Inkoferer (BN)
Kiesinsel in der Mühlhamer Schleife - im Niedrigwasser gut zu sehen. Bild: H. Inkoferer (BN)
Mit dem BUND Naturschutz auf der frei fließenden Donau (v.l.n.r.): Winfried Berner (Mitglied im Landesvorstand) , Irene Weinberger-Dalhof (Geschäftsstelle Deggendorf), Julika Selinger-Schreiber (Regionalreferentin Niederbayern), Georg Kestel (Vorsitzender Kreisgruppe Deggendorf), Richard Mergner (Landesvorsitzender), Martin Geilhufe (Landesbeauftragter) und Martin Hillbrecht (Geschäftsführer BUND-Service GmbH in Leipzig). Bild: H. Inkoferer (BN)
Der Niederbayerische Musikantenstammtisch mit Josef Zapf, Alexander Hollmayer, Veronika Hirsch, Johannes Bachmeier und Martin Holzapfel unterhielten die Donau-Freunde auf der Rückfahrt von Vilshofen nach Deggendorf bestens mit frischer Volksmusik an frischer Luft. Bild: H. Inkoferer (BN)

Komplett ausverkauft war die MS Johanna der Passauer Reederei Wurm und Noé nicht, als sie am 28. Juli mittags in Deggendorf mit etwa 250 Passagieren zur diesjährigen "Kultur- und Erlebnisschifffahrt" des BUND Naturschutz nach Vilshofen ablegte. Bei der Rückkehr am Abend gab es dennoch durchweg zufriedene bis begeisterte Rückmeldungen - selbst von einer größeren Gruppe von Münchnerinnen und Münchnern, die mit einem späteren Zug zurückfahren mussten. Das aktuelle Niedrigwasser sorgte nicht nur für schöne Ausblicke auf Inseln und Donaau-Strände, sondern auch für eine etwas verspätete Rückkehr in Deggendorf.

Richard Mergner erinnert an Donau-Schifffahrt mit Horst Seehofer

Auf das für die Jahreszeit ungewöhnliche Niedrigwasser ging auch Richard Mergner ein mit Blick auf den Klimawandel bei der Begrüßung ein. Mergner ist seit etwas mehr als einem Jahr Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. Er erinnerte eingangs auch an die Schifffahrt mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Die Fahrt im Dezember 2012 war damals Teil der Entscheidungsfindung zum Ausbau der Wasserstraße. "Das war zuerst ein fahrendes Seminar, auf dem Pro und Contra vorgestellt wurden. Entscheidend waren aber letztendlich die Menschen in Deggendorf und Niederalteich, die das ankommende Schiff jeweils begrüßt und mit den Politikern diskutiert haben", erzählte Mergner und erinnerte auch an die Darbietung von Hans-Jürgen Buchner aus Haindling im Deggendorfer Ruderhaus.

Mergner zeigte sich erfreut, dass er zu der Fahrt unter anderem auch den Außernzeller Bürgermeister Michael Klampfl (auch in seiner Funktion als Kreisobmann des Bauernverbandes) sowie Kreis- und Stadtrat Christian Heilmann von den Grünen aus Deggendorf begrüßen konnte.

Erläuterungen zur frei fließenden Donau und zum Hochwasserschutz

In der Vorbeifahrt an der Isarmündung übernahm Georg Kestel das Mikrofon; er ist nicht nur Chef der Deggendorfer BN-Kreisgruppe, sondern für den Verband sein vielen Jahren auch als Fachmann in den diversen Planungs- und Genehmigungsverfahren tätig. Gleich an der Isarmündnug wies er auf die hohe Bedeutung dieses Gebietes mit der dortigen großen, überströmten Kiesbank hin; wichtig ist der "Isarschüttkegel" dabei sowohl für den Natur- und Artenschutz wie auch für die Schifffahrt. "Wir gehen davon aus, dass das Leitwerk, das an der Mündung noch in den Ausbauplänen enthalten ist, noch eingespart werden kann, etwa durch eine Vergrößerung der Kieszugabe in die Isar. Das ist einer der Punkte, die wir mit der Schifffahrtsverwaltung und der RMD noch sehr intensiv diskutieren", erklärte Kestel. Er übernahm für den verhinderten BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger die Erläuterungen zur Donau.

In der Folge schlossen sich weitere Ausführungen zum Fluss, zu den Arten und Lebensräumen in der Aue, zu den früheren und heutigen Ausbauplänen und auch zur Kulturgeschichte der Region an, ausgewählt jeweils anhand der gerade durchfahrenen Abschnitte. Größeren Raum nahmen dabei auch Ausführungen zum Hochwasserschutz ein. Kestel plädierte dabei vor allem auch dafür, den dezentralen Hochwasserschutz im gesamten Einzugsgebiet zu stärken - mit Schwerpunkt auf dem Bodenschutz. "Die Aufnahmefähigkeit der Böden für Wasser ist entscheidend. Verbesserungen in diesem Bereich durch Humusaufbau und Bodenleben wirken vielfach positiv: als Prävention gegen Dürre, für den großräumigen Hochwasserschutz an der Donau genauso wie für lokale Hochwässer, und nicht zuletzt für den Klimaschutz durch eine Einlagerung von CO2 aus der Atmosphäre in den Boden. Das sind Mehrfach-Effekte, die mit Investitionen in Flutpolder nicht zu erreichen sind", erläuterte er die Prioritäten des Verbandes.

Leider sehr knapp musste der Besuch der Vilshofener Innenstadt mit dem Passauer Heimatpfleger Rudolf Drasch ausfallen - wegen des Niedrigwassers musste für die Rückfahrt eine längere Dauer einkalkuliert werden, außerdem gestaltete sich das An- und Ablegen an geparkten Flusskreuzern zeitaufwändiger als geplant. "Im nächsten Jahr wollen wir die Abfahrtszeit so verändern, dass wir dem engagierten Vortrag von Rudolf Drasch dann auch den nötigen und gebührenden Raum geben können", entschuldigte sich Kestel für den etwas gehetzten Ablauf.

Kinder-Schminken, Donau-Quiz und moderne Volksmusik

Auf der gesamten Fahrt wurden die Teilnehmer bestens von der Crew der MS Johanna versorgt. Außerdem war im Unterdeck ein Spielbereich eingerichtet, mehrere Jugendliche schminkten mitfahrende Kinder oder verteilten Fragebögen zu einem Donau-Quiz. "Neben der guten Stimmung an Bord hat uns sehr gefreut, dass sowohl an der Tombola wie auch an unserem Info-Tisch eine sehr rege Nachfrage bestand", erklärte Irene Weinberger-Dalhof, die in der Geschäftstelle des BN in Deggendorf und auf dem Schiff wie in den letzten Jahren organisatorisch die Fäden zusammenhielt.

Auf der Rückfahrt übernahm, ebenfalls wie in den Jahren zuvor, zuletzt der "Niederbayerische Musikantenstammtisch" das Schiff und die Regie; ohne Verstärkung und an wechselnden Orten auf den verschiedenen Decks spielten sie Volksmusik in aktuellem Gewand. Auch wenn Klarinettist Josef Zapf am Ende ab und zu von "Free-Jazz" sprach - ganz so wild wurde es nicht, zugleich aber taten die freieren Solos und Interpretationen der Musikerinnen und Musiker den meist bekannten, traditionellen Stücken ausgesprochen gut - sie erhielten im Nu einen frischen, neuen Anstrich.

Schon Tradition war es schließlich auch, dass die fünf Mitgliedern des Stammtisches am Ende von Georg Kestel als Dankeschön einen Weißwein (natürlich von der Donau in der Wachau) erhielten und die glücklichen Besucherinnen und Besucher mit einem "Muss i denn zum Städtele hinaus" von Bord spielten.