Quervernetzung, Grünes Band und Moorschutz: BUND Naturschutz Ortsgruppe unterwegs auf Bildungsreise im Dreiländereck
Das „Grüne Band“ ist eine Biotopverbundachse entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die sich über rund 1.400 Kilometer von der Ostsee bis zum Bayerischen Wald erstreckt. Es bildet einen ökologischen Korridor, der dem Erhalt und der Förderung von natürlichen Lebensräumen sowie dem Schutz von Tier- und Pflanzenarten dient. Das EU-Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ hat die Anbindung der Biotope des Grünen Bandes an das Hinterland und in die Nachbarländer zum Ziel.
„Die fachlich fundierten Führungen mit Tobias Windmaißer, verantwortlich für das BN-Projekt „Quervernetzung Grünes Band“, waren sehr aufschlussreich. Auch die Führung mit dem Naturparkranger Markus Grünzinger am Dreisesselberg und nach Haidmühle zur dortigen Moor- Renaturierungsfläche, fand große Zustimmung.“ erklärt die Organisatorin der Bildungsreise und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe, Brigitte Reinhardt.
Vertreter von BUND Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz arbeiten mit den Menschen vor Ort zusammen und führen die Naturschutzmaßnahmen durch, um Lebensräume für seltene Arten wie Kreuzotter, Arnika, Braunkehlchen und Waldbirkenmaus zu schaffen. Dabei werden sowohl eigene Flächen des BUND Naturschutz als auch gepachtete Flächen genutzt, um Trittsteinbiotope in alle Richtungen zu schaffen, die den seltenen Arten als Verbindungsachsen dienen.
BN-Projektfläche: Wässergräben auf der “Brennerin”
Nähe Altreichenau, auf dem Gebiet „Brennerin“ wurden die historische Wässergräben, die zur Bewässerung der Wiesen von den Vorfahren angelegt und bis in die 1960er Jahre genutzt wurden, reaktiviert. Nach Entfernen der Fichtenaufforstungen entstehen nun wertvolle artenreiche Wiesen mit Pflanzen wie dem Schlangenknöterich, der Silberdistel und der Arnika. Die Sumpfkratzdistel ist die Wiege für Rüsselkäfer, Tagfalter wie Perlmuttfalter, Ochsenauge, Distelfalter und Mädesüßfalter finden hier Nahrung an den Blüten. Mäht man die Flächen mit Schlangenknöterich nur jedes zweite Jahr, kann sich der Randring-Perlmuttfalter fortpflanzen. An den offenen Wasserflächen haben verschiedene Libellen ihren Lebensraum. „Es macht Freude zu sehen, wie sich die Natur erholt und uns mit ihrer Vielfalt belohnt“, fasste Brigitte Reinhardt die Eindrücke zusammen.
Dresessel und Moorrenaturierung bei Haidmühle
Am zweiten Tag ging es mit Naturparkranger Markus Grünzinger auf den Dreisesselberg. Hier sind große Flächen als Auerhuhngebiet ausgewiesen und bis Mitte Juli für Wanderer gesperrt. Störungen durch Menschen sind im Winter tödlich für das Auerhuhn und im Sommer gefährdet es die Aufzucht der Jungvögel. Im Hochwald sind seltene Vögel wie Baumpieper, Fitis, Goldammer, Tannenhäher und Kreuzschnabel zu entdecken. Hier findet man auch den seltenen Rauen Flachkäfer, ein Urwaldrelikt. Er benötigt Pilze als Nahrung, die am Totholz wachsen und ist ein wichtiger Baustein der Biodiversität. Am Gipfel kommen seltene Pflanzen wie der Bergwaldfarn, Alpenmilchlattich, der Böhmische und der Ungarische Enzian vor. Im Grenzgebiet nach Tschechien haben fünf Wolfsrudel und einige Luchse ihr Revier.
Weiter ging es nach Haidmühle zum Moor-Renaturierungsprojekt an der Grenze zu Tschechien. Hier wächst die Rauschbeere, Raupenfutterpflanze für den Hochmoorgelbling, sowie der Schlangenknöterich, die Futterpflanze für die Raupe des Randring-Perlmuttfalters. Hochmoorbläuling und -gelbling, Scheckenfalter, Braunfalter und der seltene Eisvogelfalter erfreuten die Gruppe. Zum Abschluss ging es noch zum Birkhuhn- Rückzugsort (LBV) „Schnellenzipf“, wo 6-8 Birkhähne im Frühjahr balzen. Die ganzjährige Durchfeuchtung der Flächen bewirkt, dass hier die Oberflächentemperatur um 2-3 Grad niedriger ist, was an heißen Tagen sehr angenehm ist.
Mauthler Filz und Lichtwald
Am letzten Tag war das Mauthler Filz das Ziel. Es ist Teil eines BN-Projekts zur Verbesserung des Biotopverbunds von Feuchtflächen, Magerrasen, Bergmähwiesen, Gewässern, Wäldern und vielen anderen Lebensräumen am Grünen Band Bayerns, der Deutsch-Tschechischen Grenze, beschäftigt. Tobias Windmaißer gab eine kurze Einführung über die durchgeführten Maßnahmen an dem Moor sowie zu den Erlebniselementen und den installierten Bildtafeln. Das Filz wird unterirdisch vom Wasser, das vom Fuchsberg kommt, gespeist. Die Entwässerung wurde mit einer hölzernen Spundwand gestoppt. Das kleine Mauthler Moor setzt dadurch nicht weiter CO2 frei und wendet so in Zukunft einen Schaden ab, der ca. einer Million Euro entspricht. Allerdings ist in den letzten zwei trockenen Jahren auch hier der Wasserstand gesunken.
Darauf folgte die Besichtigung der Projektfläche „Lichtwald“ am Fürstenhuter Denkmal in Finsterau. Der „Lichtwald“ wurde früher im Sommer als Allmende für das Vieh der Orte Mauth und Finsterau genutzt, weil die umliegenden Wiesen für die Heuernte benötigt wurden. In den letzten Jahren wurden die Fichten auf den aufgeforsteten Flächen teilweise wieder entfernt und mittels Mähgutübertragung die ursprüngliche Vegetation auf den ausgelichteten Flächen wieder hergestellt.
Von hier aus begab sich die Gruppe auf eine 9 km Wanderung zurück nach Mauth, an insgesamt sieben BN-Projektflächen vorbei, durch das Sauß- und Rothbachtal: mehrere Parzellen mit Bergmähwiesen, dazwischen Lesesteinriegel, Weideflächen und zum Bach hin Hochstaudenfluren sowie reaktivierte Wiesenwässergräben und Tümpel. Das im Rahmen des Projekts gestützte Arnika-Vorkommen und ein Nachweis der seltenen Waldbirkenmaus sind große Erfolge. Weiter ging es entlang des Rothbachs zu einem vielfältigen Projektflächen-Komplex. Auf den BN-Ankaufsflächen wurden nicht nur die Waldlichtungen wieder in eine naturschutzfachlich ausgerichtete Bewirtschaftung gebracht, sondern auch die Wildkatze durch eine Wald- und Waldrandgestaltung mit viel Struktur und Totholz gefördert. Es ging vorbei an Bergmähwiesen, die im Rahmen des Quervernetzungsprojekts nach jahrelanger Brache wieder in Pflege genommen wurden und nun wieder von einem Landwirt gepflegt werden.
Die Mehrtagesexkursion entlang des Grünen Bandes im Dreiländereck ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die geschichtliche Bedeutung dieses Gebiets und die vielfältige Natur aus erster Hand kennen zu lernen. Die Maßnahmen zum Moorschutz und zur Renaturierung von ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen boten ein intensives Naturerlebnis, bei dem gleichzeitig über Naturschutz- und Artenschutz informiert wurde. „Es ist wunderbar, wie schnell die Artenvielfalt zurückkehrt, wenn man das Richtige macht“, bemerkte Brigitte Reinhardt zum Abschluss der Reise.







